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Helmut Stoltenberg
Minderheiten in China

Nationale Minderheiten

Von den zirka 1,382 Milliarden Menschen in der Volksrepublik China sind etwa 92 Prozent Han-Chinesen. Daneben gibt es 55 weitere ethnische Gruppen, die offiziell als nationale Minderheiten Chinas anerkannt sind und deren Wohngebiete zwei Drittel des Landes umfassen - wobei nicht selten auch dort die Han-Chinesen die Mehrheit stellen. Die Bevölkerungszahl dieser Minderheiten schwankt zwischen einigen Tausend und mehreren Millionen; zu den bevölkerungsreichsten zählen die Zhuang, die Mandschu, die Hui und die Uiguren mit jeweils mehr als zehn Millionen Menschen sowie die Miao, die Yi, die Tujia, die Tibeter und die Mongolen mit jeweils mehr als fünf Millionen.

Die Zhuang, Mandschu, Hui und Uiguren

Die größte Minderheit in der Volksrepublik stellt nach dem Zensus von 2010 das Volk der Zhuang, das größtenteils im Südosten Chinas lebt, mit rund 16,9 Millionen Menschen. Die Mandschu, die von 1644 bis 1911 mit der Qing-Dynasie das letzte Kaiserhaus Chinas stellten, kommen danach auf etwa 10,4 Millionen Menschen, die insbesondere im Nordosten des Landes zu finden sind. Weit verbreitet sind in China die Hui mit etwa 10,6 Millionen Menschen, die indes von Taiwans Regierung nicht als Nationalität, sondern als Han muslimischen Glaubens betrachtet werden. Moslems sind zunmeist auch die turksprachigen Uiguren mit gleichfalls mehr als zehn Millionen Menschen, die zum größten Teil im Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang im Nordwesten Chinas beheimatet sind.

Die Miao, Yi, Tujia, Tibeter und Mongolen

Etwa 9,4 Millionen Menschen in der Volksrepublik gehören dem Volk der Miao im Süden des Landes an. In eher südwestlicheren Provinzen siedelt das Volk der Yi mit rund 8,7 Millionen Menschen, während die zirka 8,4 Millionen Tujia überwiegend in südöstlicheren Provinzen zu finden sind. Die etwa 6,3 Milionen in China lebenden, buddhistischen Tibeter wohnen großteils im Südwesten im Autonomen Gebiet Tibet auf dem Gebiet des historischen, als "Dach der Welt" bekannten Tibet. Von den rund sechs Millionen Mongolen in China ist der Großteil in der inneren Mongolei beheimatet; die Mongolen stellten die von 1279 bis 1368 in China regierende Yuan-Dynastie.

Religiöse Minderheiten

In der laizistischen Volksrepublik herrscht eine atheistische Staatsideologie; den rund 90 Millionen Mitgliedern der Kommunistischen Partei ist das Bekenntnis zu einer Religion untersagt. Laut Verfassung erkennt der chinesische Staat fünf Religionen an, nämlich Buddhismus, Daoismus und Islam sowie protestantisches und katholisches Christentum. Gleichwohl müssen sich kirchliche Gruppen beim Religionsamt registrieren lassen und sich einer der staatlich kontrollierten Kirchen beziehungsweise religiösen Vereinigungen unterordnen. Gruppen, die sich Registrierung und Kontrolle zu entziehen versuchen, sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes (AA) Repressalien und Verfolgung ausgesetzt; auch 2018 kam es laut AA zu Zwangsräumungen und Abrissen von Kirchen. Insbesondere Falun Gong und christliche Hauskirchen werden den Angaben zufolge verfolgt und auch Angehörige der islamischen Minderheit der Uiguren und des tibetischen Buddhismus zunehmend unterdrückt.

Zahl der Religionsanhänger in der Volksrepublik

Die Zahl der Religionsanhänger in der Volksrepublik China lässt sich nur sehr grob angeben, zumal verschiedene Quellen unterschiedliche Daten aufweisen. Ungefähren Angaben nach offiziellen Daten von 2000 und einer Schätzung aufgrund von Umfragen zweier Professoren von 2005 zufolge sind etwa 300 bis 400 Millionen Gläubige. Davon sind 150 bis 200 Millionen Buddhisten, während die chinesische Volksreligion ungefähr 130 Millionen Anhänger hat. Die Zahl der Christen bewegt sich zwischen 33,5 und 48 Millionen, wobei die Protestanten 25 bis 35 Millionen zählen und die Katholiken 8,5 bis 13 Millionen. Die Muslime stellen elf bis 18 Millionen Menschen und die Daoisten 5,5 Millionen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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