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Aufgekehrt
Claus Peter Kosfeld
Abschied Seit' an Seit'

Die SPD hat sich mal wieder Aufbruchstimmung verordnet. Wenn neue Bundesvorsitzende zu wählen sind, ist die Partei stets voll bei der Sache und dreht mit Vorfreude das große Schwungrad. Da werden in Regionalkonferenzen die Kandidaten gleich im Dutzend aufeinander losgelassen in der Hoffnung, dass die Sahne am Ende oben schwimmt. Auch Sigmar Gabriel, Andrea Nahles und Martin Schulz galten mal als Sahnehäubchen der SPD, bis die Basis plötzlich befand, das schmecke ihnen nicht mehr.

Ganz ohne Fahnenappell und Gesangseinlage trotten Gabriel und Nahles nun in seltener Eintracht raus aus dem Bundestag. Am 1. November ist Schluss. Zwei Ex-SPD-Vorsitzende weniger im Parlament, 100-Prozent-Schulz bleibt noch. Die SPD muss nicht traurig sein, denn erstens sind da die erstaunlichen 430.000 Mitglieder, gefühlt alle ambitionierte Co-Vorsitzende. Zum anderen sind die Roten nicht die einzigen, die beim Berliner Krisendienst ständig in der Leitung hängen und auf finale Ratschläge hoffen. Auch die CDU hat frische Erfahrungen mit der Neuwahl von Vorsitzenden und muss mit einer Frau klarkommen, die das Fettnäpfchen-Hopping gerade olympiatauglich macht. Ohne AKK an der Spitze würden die Schwarzen eine Erleichterungsrallye hinlegen. AKK am Boden und CSU-Chef Markus Söder in der K-Frage vorne?

Im Kampf gegen das politische Frühableben hilft ein Blick zur FDP. Hat nicht Christian Lindner den Komapatienten wiederbelebt und den Kollegen eine gutbezahlte Dreitagewoche mit Spreeblick verschafft? Sein Trick: Neues Parteilogo in Magenta. Farbe first, Inhalt second. So geht Politik.Claus Peter Kosfeld

Aus Politik und Zeitgeschichte

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