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Aschot Manutscharjan
Kurz REZENSIERT

In Zeiten, in denen US-Präsident Trump mit einem Impeachment-Verfahren konfrontiert ist, versucht Jill Lepore, Geschichts-Professorin in Harvard, ihren Mitbürgern die Werte der amerikanischen Verfassung zu vermitteln. Mit Erfolg: Ihr Buch elektrisiert die Nation. Wie kann es sein, dass ein Wälzer über ein historisches Thema bereits kurz nach Erscheinen von namhaften Wissenschaftlern als Klassiker bezeichnet wird? Von einem "Meisterwerk der Geschichtsschreibung" ist die Rede, "Diese Wahrheiten" seien "revolutionär" und "brilliant".

Jill Lepore geht neue Wege, um die Geschichte der USA zu erzählen. Als roter Faden dienen ihr die einzelnen Artikel der US-Verfassung. Was bedeutet Gleichheit? Worauf gründet der Rassismus? Kritisch setzte sie sich mit den vielen Verletzungen der Verfassung auseinander, die zu politischen Krisen führten. Die Stellung der USA als "führende Nation einer liberalen Weltordnung, die auf dem Grundsatz der Rechtsstaatlichkeit beruht, geriet in eine Krise, als das Land sich bei seinem Krieg gegen den Terror über die bei der Staatsgründung formulierten Grundsätze hinwegsetzte", lautet ein Schlüsselsatz. Washington dürfe keinesfalls die Genfer Konventionen, das Völkerrecht und die Menschenrechte missachten, terrorverdächtige Personen foltern und ohne Gerichtsverfahren inhaftieren, kritisiert Lepore.

"Die Wahrheiten, auf welche die Nation gegründet wurde - Gleichheit, Souveränität und Zustimmung -, waren nach dem Bürgerkrieg weitererzählt worden. Der moderne Liberalismus entstand aus dieser politischen Vereinbarung". Amerika habe den "Rechtsstaat, individuelle Bürgerrechte, eine demokratische Regierung, offene Grenzen und Freihandel" in die Welt getragen. Die Konservativen jedoch hätten den Begriff der Wahrheit zerstört, indem sie den Willen des Wahlvolkes manipulierten, schreibt Lepore. Ihr Buch ist Pflichtlektüre.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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