Inhalt

Aufgekehrt
Alexander Weinlein
Versauter Grenzverkehr

Die Dänen fühlen sich sauwohl. In schöner Regelmäßigkeit suhlen sie sich im "World Happiness Report" auf den vordersten Plätzen. Wer abergläubisch veranlagt ist, mag sich dies mit dem Umstand erklären, dass unsere nördlichen Nachbarn über eine der größten Glücksbringer-Populationen weltweit verfügen. Auf jeden der rund 5,8 Millionen Dänen kommen nämlich etwa 2,5 Schweine. Die armen Säue enden zwar früher oder später als Schnitzel in der Pfanne oder als Pölser - dänische Hotdogs - zwischen zwei Brötchenhälften, ihrem Ruf als Glücksbringer scheinen sie trotzdem gerecht zu werden.

Nun allerdings ist Dänemarks Schweineglück massiv bedroht. Und zwar durch die afrikanische Schweinepest, die durch die quasi illegale Zuwanderung deutscher Wildschweine eingeschleppt werden könnte. Um diese Ferkelei zu unterbinden, baut Dänemark jetzt einen 70 Kilometer langen und 1,50 Meter hohen Anti-Schwarzkittel-Zaun entlang der deutsch-dänischen Grenze, lediglich unterbrochen von 20 Durchlässen für den unversauten Grenzverkehr. Noch in diesem Jahr soll das Sperrwerk fertiggestellt werden. "Schweinerei", mag US-Präsident Donald Trump dieser Tage denken. Bis er die Gelder für seine Mauer zu Mexiko bewilligt bekommt, haben die Dänen die deutsche Wildsau längst jenseits ihrer Grenzen eingepfercht.

Aber die Dänen blicken eben auch auf eine lange Tradition zurück. Bereits ihre Vorfahren, die stolzen Wikinger, errichten im 8. Jahrhundert das mächtige Danewerk zur Abwehr slawischer und germanischer Stämme. Sie selbst hingegen führten sich auf ihren Raubzügen an den Küsten Europas auf, dass es jeder Sau grauste.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag