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Gastkommentare - Pro
Holger Möhle, "General-Anzeiger", Bonn
Kohle-Korridor

Passt das Kohle-Ausstiegsdatum?

E rst das Atom, nun die Kohle. Deutschland steigt im Namen des Klimaschutzes aus der Kohle-Verstromung aus und lässt sich dafür Zeit. 2038 und somit 16 Jahre, nachdem das letzte Atomkraftwerk in Deutschland vom Netz genommen sein wird, soll auch der letzte Kohlemeiler abgeschaltet werden. Und das ist dann gut so. Wenn alle Seiten klagen, was ihnen die Einigung für Opfer abverlangt, ist es zumeist ein klassischer Kompromiss. Von heute an fast 20 Jahre bis zum endgültigen Aus für Braun- und Steinkohle sind viel Zeit, ausreichend Zeit. Natürlich ginge es auch schneller, aber wenigstens steht mit der Einigung nun das Ausstiegsjahr fest, sofern die Politik den Empfehlungen der Kohlekommission folgt. Die Regierungen in Bund und Ländern können nicht Kohle-Regionen im Expresstempo mit dem Ausstieg überrollen wollen. Da fühlten sich vor allem Beschäftigte und deren Familien verkohlt. Zudem gilt bei der Energieversorgung der Dreiklang: möglichst sicher, möglichst nachhaltig, möglichst bezahlbar. 2038 bietet dafür den Korridor. Einen Ausstieg vom Ausstieg wie einst beim Atom sollte sich das Land nicht leisten.

Vermutlich aber wird die Wirklichkeit schneller Fakten schaffen als der Kohlekompromiss vorsieht. Kohle und Stahl haben dieses Land mit groß gemacht. Dass die politischen Entscheider auch deshalb die Kohle nicht sofort beerdigen wollen, ist wegen der Planungssicherheit für Unternehmen und Beschäftigte nachvollziehbar. Die CO2-Bilanz sollte nun mit jedem Jahr besser werden. Bis 2030 will Deutschland mindestens 55 Prozent seines CO2-Ausstoßes im Vergleich zu 1990 eingespart haben, bis 2040 sollen es mindestens 70 Prozent sein. Oder der Kampf um die Kohle hat vor allem eines produziert: dicke Luft.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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