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Parlamentarisches Profil
Franz Ludwig Averdunk
Der Energieexperte: Bernd Westphal

I n sieben Tagen bergwandernd von Oberstdorf nach Meran über die Alpen: Als Energiebündel hat sich Bernd Westphal (58) durchaus bewährt. Als Energiepolitiker steht er weiter vor Bewährungsproben. Dazu zählt derzeit insbesondere, die von ihm beschriebene "Schwachstelle im Gesamtgefüge des Ausbaus der Erneuerbaren Energien" zu beseitigen: "Leider fehlt es bei Ertüchtigung und Ausbau der Stromnetze bisher an Dynamik."

In der vergangenen Woche begann der Bundestag mit der Beratung eines Gesetzentwurfs der Bundesregierung zur Beschleunigung des Energieleitungsausbaus. Westphal, Sprecher der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Energie der SPD-Bundestagsfraktion, gibt sich fest davon überzeugt, dass mit diesem Gesetz nicht zuletzt die Verfahren beim Netzausbau beschleunigt werden. Im Gesetzentwurf heißt es: "Von der Netzentwicklungsplanung bis zur Planfeststellung können sich die betroffenen Bürgerinnen und Bürger weiterhin mit ihren Belangen einbringen." Westphal: "In der Vergangenheit waren die Planungsstufen nicht so gut miteinander verzahnt." Die Prozesse würden verschlankt werden.

Einerseits, so sagte er, müsse Bürgerbeteiligung immer ganz vorne stehen. Andererseits seien die Netze dringend notwendig, weil wir mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien etwas für die Umwelt tun müssen. Ihm ist wichtig, "dass wir eine sichere, bezahlbare und umweltverträgliche Energieversorgung haben".

Und es gehe ja bei dem beabsichtigten Gesetz "nicht nur um Verfahrensbeschleunigung, sondern auch um die Optimierung der bestehenden Netze". Dies nämlich "führt dazu, dass wir weniger Ausbau brauchen". Doch die drei großen geplanten Nord-Süd-Trassen seien unerlässlich: "Im Süden gehen Kraftwerke, insbesondere Atomkraftwerke, bis 2021 vom Netz. Gleichzeitig haben wir im Norden klimafreundlichen Windstrom, den müssen wir in den Süden transportieren." Auch Wasserstoff werde als Zukunftstechnologie eine wichtige Rolle beim Transport und Speichern von Energie einnehmen. Ohne raschen Netzausbau wird es auch für die soeben vorgelegten Vorschläge der Kohlekommission eng werden. Für das Kommissionsergebnis wartet Westphal mit großen Lob auf: "Der Konsens ist politisch hoch zu bewerten, die Zielkonflikte der beteiligten Akteure sind im Vorfeld ja sehr deutlich geworden." Der Bericht erwähne im Zusammenhang mit dem Kohleausstieg nicht nur Netze und Erneuerbare Energien, sondern ebenso, dass die Wasserstofftechnologie mit Reallaboren vorangebracht werden müsse.

Den Glasfaser-Ausbau, bei dem es ebenfalls hapert, sieht Westphal auch im Zusammenhang mit der Energiewende. Auf die Steuerung von volatilem Strom aus Wind und Sonne, hebt er ab: "Den Stromverbrauch kann man dank der Digitalisierung hervorragend verknüpfen mit der schwankenden Stromerzeugung." Bei der Versteigerung für den neuen G-5-Standard müssten den Telekommunikationsunternehmen klare Rahmenbedingungen mit Planungssicherheit geboten werden: "Wir brauchen den zügigen Ausbau im ländlichen Raum."

1993 wurde der gelernte Chemielaborant hauptamtlicher Gewerkschaftsfunktionär bei der IG Bergbau und Energie. 2013 kam der in Giesen bei Hildesheim wohnende Westphal erstmals in den Bundestag. Wie nah ist er noch am Bürgeralltag? "Sehr nah", versichert er: "Außerhalb der Sitzungswochen bin ich in meinem Wahlkreis viel unterwegs, vom Kleingartenverein über Arbeiterwohlfahrt oder Rotem Kreuz und Feuerwehr bis zum Unternehmen." Als Ansprechpartner sei er gefragt: "Ich habe erst letzte Woche meine Sprechstundenzeit ausweiten müssen, weil so viel Leute im Flur saßen." Westphal: "Meine Heimat gibt mir die nötige Bodenhaftung."

Für sein Biker-Hobby bleibt ihm da keine Zeit. Mit seinem Motorrad sei er im letzten Jahr gerade mal "zum Tanken und zur Inspektion" gefahren. Er sinniert: "Die B1 zwischen Hildesheim und Berlin mal abzufahren, das wäre was." Und überlegt aber zugleich: "Vielleicht auch mit einer Gruppe per Fahrrad in drei oder vier Tagen."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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