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Parlamentarisches Profil
Hans Krump
Der Fußballer: Marcus Weinberg

K indern aus armen Familien bessere Chancen zu ermöglichen, ist ein Leib- und Magenthema von Marcus Weinberg: "Kinderarmut ist in Deutschland leider immer noch ein großes Problem. Sie darf nicht dazu führen, dass Schüler aus Familien mit geringem Haushaltseinkommen von guter Bildung und kulturellen Zugängen ausgeschlossen werden." Der familienpolitische Sprecher der Unionsfraktion und Hamburger CDU-Bundestagsabgeordnete weiß, wovon er spricht: Weinberg kommt selbst aus einfachen Verhältnissen und war einst Lehrer an einer Schule im sozialen Brennpunkt Wilhelmsburg. Das hat ihn geprägt.

Er begrüßt deshalb das "Starke-Familien-Gesetz" der Minister Franziska Giffey und Hubertus Heil (beide SPD) als Meilenstein des Koalitionsvertrags, Leistungen für arme Familien zu erweitern und diese den Betroffenen zielgenauer und einfacher zukommen zu lassen. "Die schrittweise Erhöhung des Kinderzuschlags von 170 auf 185 Euro ist eine gute Maßnahme, weil der Kinderzuschlag auch die Erwerbstätigkeit von Eltern honoriert, die sonst Gefahr laufen können, Grundsicherung beantragen zu müssen", sagt Weinberg.

Es komme aber darauf an, dass die Verbesserungen auch bei den Kindern ankommen. Die Leistungen, ob Kinderzuschlag oder Bildungs-Teilhabe wie Geld für Schulranzen, werden zwar schon seit Jahren angeboten, aber nur ein Drittel der Eltern gibt entsprechende Anträge ab. Vieles ist den Eltern zu kompliziert oder bürokratisch. Künftig können Anträge online gestellt werden. "Wir wollen die Antragstellung für die Eltern noch weiter vereinfachen, damit mehr Anspruchsberechtigte von den Leistungen profitieren können", sagt Weinberg .

Skeptisch ist er bei Forderungen nach einer Kinder-Grundsicherung, zuletzt reklamierte die SPD 620 Euro pro Kind im Monat. Weinberg: "Unter dem Stichwort Kindergrundsicherung werden viele Modelle diskutiert. Da kann es schnell um zweistellige Milliardenbeträge und die Frage der Finanzierung gehen. Für uns gilt: Eltern eine auskömmliche Erwerbstätigkeit zu ermöglichen und bei Bedarf zielgenau und bedarfsorientiert finanziell zu unterstützen - das sind die entscheidenden Maßnahmen zur Bekämpfung von Kinderarmut.." Hinter der Idee der Grundsicherung steckt auch der Wunsch, die vielen Leistungen für Familien mit Kindern zu vereinheitlichen. Weinberg: "Wir hören uns die Vorschläge gerne an. Uns kommt es aber darauf an, hier wirksam und effektiv zu handeln. Einzelne besondere Leistungen, die verschiedenen Ressorts obliegen, haben auch ihre Berechtigung." Ein wichtiger Punkt für Marcus Weinberg ist es, die Kette der Armuts-Vererbung bei bestimmten Familien zu unterbrechen. "Der Staat muss Familien in schwierigen Phasen frühzeitig und niedrigschwellig begleiten. Vom Aufstehen frühmorgens, dem Brote schmieren bis hin zur Unterstützung in die Schule." Das könne Sache von Sozialarbeitern sein, aber auch von freiwillig Dienstleistenden wie dem Bundesfreiwilligendienst.

Wenig begeistert zeigt sich Weinberg von Wortschöpfungen wie Starke-Familien-Gesetz, Gute-Kita-Gesetz oder Respekt-Rente, mit denen SPD-Ressorts zuletzt ihre Vorstöße titulierten. "Auch wenn Gesetze manchmal einen komplizierten Namen haben, darf Politik nicht in Werbesprache verfallen. Und was spricht gegen Familienstärkungsgesetz?"

Marcus Weinberg ist waschechter Hamburger und lebte seit Geburt in der Elbmetropole. "Eine sehr schöne Stadt, in der sich aber auch viele Herausforderungen Deutschlands widerspiegeln." Der frühere CDU-Landeschef (2011 bis 2015) gehört im politisch links geprägten Hamburg dem linken Flügel der CDU an. Nach einigen Jahren in der Hamburgischen Bürgerschaft sitzt Weinberg seit 2005 im Bundestag.

Das Konservative, wie es zuletzt nach den AfD-Erfolgen von manchen Parteifreunden stärker reklamiert wurde, sei neben dem christlich-sozialen und liberalen Erbe eine der Unions-Wurzeln, sagt Weinberg: "Ich halte eine Politik der Mitte für die CDU für genau richtig." Er hätte sich über eine Jamaika-Koalition gefreut, nun sei es erneut ein Schwarz-Rot-Bündnis, das 2018 "kein gutes Jahr" gehabt habe. Die Vorstöße der SPD zur Sozialpolitik sieht Weinberg gelassen, es komme darauf an, dass die Koalition "mit wichtigen Maßnahmen gute Politik" mache. Fußball ist die große Leidenschaft des Vaters eines Sohnes. Der 51-Jährige ist Kapitän des FC Bundestag. Sein Herz schlägt für den Zweitligisten FC St. Pauli, für den er bis zur B-Jugend kickte.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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