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Gastkommentare - Pro
Margaret Heckel, freie Journalistin
Gallisches Dorf

Digital-Medizin vorantreiben?

Es ist eigentlich unfassbar: Seit 15 Jahren doktern Krankenkassen, Ärzte und Apotheker nun schon an der elektronischen Gesundheitskarte herum. Was ursprünglich für das Jahr 2007 versprochen war, soll nun 2021 kommen. Ja. Wirklich! Wird jetzt!

Das erinnert zunehmend an Asterix. Überall wird digitalisiert - bis auf dieses kleine gallische Dorf namens Selbstverwaltung im Gesundheitssystem. Dabei ist das deutsche Gesundheitswesen keineswegs klein: Wie destatis errechnet hat, haben die Gesundheitsausgaben in Deutschland im Jahr 2017 erstmals die Marke von einer Milliarde Euro pro Tag überschritten. Weil wir alle - auch durch den medizinischen Fortschritt - glücklicherweise immer länger leben, wird das weiter steigen. Durch den Einsatz digitaler Technologien ließen sich neuen Studien zufolge bis zu zwölf Prozent oder 34 Milliarden Euro sparen.

Noch wichtiger ist der Nutzen der Digitalisierung für Patienten. Das fängt bei der Telemedizin für unterversorgte ländliche Räume an und hört bei der digitalen Befundung noch lange nicht auf. Es gibt inzwischen Hunderte von Anwendungen, die weltweit problemlos und mit höchstem Datenschutz eingesetzt werden.

In Deutschland aber widersetzt sich das gallische Dorf der Digitalisierung. Das ist im Gesundheitssektor leichter als in anderen Branchen. Machen sonst Kunden Druck, hoffen hier Patienten auf ärztliche Hilfe und sind ein Stück weit vom System abhängig. Wenn die Politiker deshalb nicht für Digitalisierung streiten, wird nichts passieren. Doch auch wir Patienten sollten uns nicht aus der Verantwortung stehlen: Wir können unsere Ärzte bei jedem Besuch freundlich fragen, warum sie noch immer so viel Papier auf ihrem Schreibtisch haben.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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