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Gastkommentare - Contra
Timot Szent-Ivanyi, Redaktionsnetzwerk Deutschland
Leichter Missbrauch

Digital-Medizin vorantreiben?

F luch und Segen treten oft zusammen auf. Nicht anders ist es bei der Digitalisierung. So groß die Vorteile von elektronischen Patientenakten, Online-Rezepten oder Fitness-Trackern sein mögen, darf eines nicht vergessen werden: Es gibt kaum sensiblere Daten als die über den eigenen Gesundheitszustand. Für Arbeitgeber, Versicherungen oder Banken sind diese Informationen Gold wert. Stelle ich jemanden ein, der laut Tracker-Daten schon beim Treppen-Steigen einen Puls von 200 hat? Ist ein Antragsteller kreditwürdig, der wegen eines Selbstmordversuchs in der Psychiatrie war? Was ist mit einer Hausratversicherung für einen Kunden, der wegen Demenz immer öfter vergisst, das Wasser abzudrehen?

Dass eine solche Nutzung von Gesundheitsdaten natürlich illegal wäre, bedeutet keinen Schutz vor Missbrauch. Und der ist leicht zu bewerkstelligen: Tests vom Chaos Computer Club haben gezeigt, wie einfach sich die von einigen Krankenkassen angebotenen E-Akten hacken lassen. Gesundheitsminister Jens Spahn hat am Thema Datenschutz jedoch wenig Interesse. "Datenschutz ist was für Gesunde", heißt seine Devise, die er zuerst 2016 in einem Buch vertreten hatte. Das war schon damals falsch, weil so getan wird, als könnten Kranke von der Digitalisierung nur profitieren, wenn sie den Schutz eigener Daten hinten an stellen.

Nach wie vor fehlen klare Sicherheitsstandards für den Umgang mit Gesundheitsinformationen, was schon deshalb fatal ist, weil die Kassen ab 2021 jedem Versicherten eine elektronische Akte anbieten müssen. Spahn muss praktikable Lösungen liefern, wie Digitalisierung und Datenschutz miteinander vereint werden können.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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