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Götz Hausding
Im Visier

Die Anzahl der Wölfe in Deutschland nimmt zu. Weidetierhalter fürchten um Schafe und Ziegen. Der Bundestag diskutiert darüber, ob der geschützte Wolf künftig unter bestimmten Bedingungen gejagt werden darf

Der Wolf polarisiert. Für die einen ist die Rückkehr und Zunahme der Zahl des in unseren Breiten lange als ausgerottet gegoltenen Tieres ein Erfolg im Kampf um den Erhalt der Artenvielfalt. Bei den anderen verbinden sich mit dem Wolf Ängste um Leib und Leben - oder zumindest um die heimischen Nutztiere wie Schafe und Ziegen.

Die letztere Gruppe dürfte mit den von AfD (19/594) und FDP (19/584) vorgelegten Anträgen zum Thema Wolf durchaus mitgehen, mit denen die Bejagung des Wolfes weitgehender als bisher erlaubt werden soll. Die AfD will Obergrenzen für Wolfspopulationsdichten festlegen, bei deren Überschreitung gejagt werden darf. Bei der FDP heißt es, der Wolf solle "als jagdbare Tierart in das Bundesjagdgesetz aufgenommen werden". Ohne gleichzeitige Aufnahme in die Verordnung über die Jagdzeiten würde sich zunächst am Schutzstatus nichts ändern. Durch die Einbindung der Jägerschaft mit der Verpflichtung zur Hege und Pflege des Wolfes könne aber deren jagdfachlicher Sachverstand bei Wolfsmanagement und Wolfsmonitoring nutzbar gemacht werden.

Der Bundestag folgte dem Ansinnen nicht. Mit breiter Mehrheit lehnte das Parlament die Vorlagen ab (19/3034). Die FDP hatte für ihren Antrag eine namentliche Abstimmung beantragt. Immerhin drei Abgeordnete der Union stimmten dabei für diese Vorlage.

Bei der emotional geführten Debatte davor warnten SPD, Linke und Grüne vor Panikmache und forderten verstärkte Maßnahmen für den Herdenschutz. Eine Wolfsbejagung - über die derzeitigen Möglichkeiten hinaus - lehnten sie ab. Auf der anderen Seite standen die antragstellenden Fraktionen von AfD und FDP mit ihren Forderungen. Mittendrin die Union, die den Anträgen zwar nicht das Wort reden wollte, aber dennoch eine Bestandsregulierung forderte, "auch durch Abschuss", wie Artur Auernhammer (CSU) sagte.

Heimisches Wildtier Für Carsten Träger (SPD) ist der Wolf ein heimisches Wildtier. "Deswegen stehen wir für den Weg, vernünftige Lösungen dafür zu finden, wie wir das Zusammenleben zwischen Wolf und Mensch organisieren können." Die FDP kritisierte er dafür, mit den Ängsten der Menschen zu spielen und "gemeinsame Sache mit den Hetzern der AfD zu machen". Richtig sei es, Herdenschutz und Schadensregulierungen zu finanzieren.

Aus Sicht von Karsten Hilse (AfD) ist es hingegen ein "unverantwortliches und folgenschweres Experiment", ein vorrangig in sehr dünn oder gar nicht besiedelten Gebieten lebendes "großes Raubtier" in ein dicht besiedeltes Gebiet zu bringen. Der "links-grüne Träumerblock" , so Hilse, halte am Weiter-so in der Wolfspolitik fest, konstatierte er. Nicht wundern dürfe man sich dann, wenn die betroffene Landbevölkerung "zur Tat schreitet".

Astrid Damerow (CDU) sagte, tagtäglich hätten Weidetierhalter Angst, dass ein Wolf ihre Tiere reißt. Sie ging darauf ein, dass aktuell ein "Problemwolf", der mehrere Schafe gerissen hatte, obwohl diese hinter einem als wolfsicher geltenden Zaun geweidet haben, durch den schleswig-holsteinischen Umweltminister zum Abschuss freigegeben wurde. Dies sei aber ein sehr langer und sehr mühevoller Prozess gewesen, "der in Zukunft deutlich unbürokratischer werden muss".

Einzelne Entnahmen reichten nicht, um das unkontrollierte Wachstum der Wolfs- population in den Griff zu bekommen, befand Karlheinz Busen (FDP). "Wir brauchen feste Verbreitungsgebiete durch eine aktive Bejagung von Wölfen außerhalb dieser Bereiche", sagte er. Die Forderungen von SPD, Linken und Grünen, den Herdenschutz "bis in den letzten Winkel" auszuweiten nannte er "völlig utopisch". Die Bundesregierung, so urteilte der FDP-Politiker, sei in der Wolfspolitik zerstritten. Während Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) "auf unserer Seite ist", habe Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) eine ganz andere Meinung. Daher müsse der Bundestag ein Signal senden, "dass Wölfe aktiver bejagt werden und die Population kontrolliert wird".

Kirsten Tackmann (Die Linke) sieht in der Rückkehr des Wolfes eine Herausforderung - "auch für uns als Gesetzgeber". Ins Zentrum der Debatte gehöre aber der Herdenschutz. Auch vor den Wölfen, denen die AfD und die FDP das Lebensrecht immerhin nicht absprächen, müssten die Weidetiere geschützt werden, sagte Tackmann. Herdenschutz könne funktionieren, befand sie. Allerdings erst nach einem langen Lernprozess, und zwar "sowohl diesseits als auch jenseits des Zaunes und mit Herdenschutzhunden". Die Linke unterstütze die Forderung nach einem Rechtsanspruch auf angemessene finanzielle Unterstützung bei Herdenschutz und Schadensausgleich. Leider sei auf Bundesebene in dieser Hinsicht noch nicht viel gelungen.

Diffuse Ängste Die Rückkehr des Wolfes sei mit realen Einschränkungen verbunden und schaffe "irrationale, diffuse Ängste", sagte Harald Ebner (Grüne). Es stimme, dass nach der vollständigen Ausrottung des Wolfes in Deutschland seine Population nach der Rückkehr zunächst schnell ansteige. Dieser Anstieg finde aber seine obere Grenze, "wenn die Reviere besiedelt sind", sagte er. Mit einer Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht wäre aus der Sicht Ebners nichts gewonnen. Schon jetzt könnten auffällige Wölfe geschossen werden.

CSU-Mann Auernhammer reichen Prämienzahlungen oder Finanzierungen von Zaunanlagen beim Schutz der Weidetierhalter nicht. "Der Bestand der Wölfe muss reguliert werden, und das durch Abschuss", sagte er.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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