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DEUTSCHE WELLE
Alexander Weinlein
Zum Verstehen

Intendant Limbourg verteidigt Ausrichtung des Auslandssenders gegen interne Kritik

Die Angebote der Deutschen Welle werden in deutscher Sprache sowie auch in anderen Sprachen verbreitet." Und: "Die Deutsche Welle fördert dabei insbesondere die deutsche Sprache." Es waren diese beiden Sätze aus den Paragrafen 3 und 4 des Deutsche-Welle-Gesetzes, die den Intendanten des Auslandssenders, Peter Limbourg, in der vergangenen Woche vor dem Kulturausschuss zu einigen Erklärungen und beruhigenden Worten veranlassten.

Eigentlich war Limbourg vor dem Gremium erschienen, um die Kultur- und Medienpolitiker des Bundestages über den "Entwurf der Fortschreibung der Aufgabenplanung 2018 bis 2021 für das Jahr 2020" (19/16960) zu unterrichten. Doch nachdem sich Mitte Januar rund 50 freie Mitarbeiter der Deutschen Welle (DW) in einem offenen, aber anonymen Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) darüber moniert hatten, Limbourg plane, "das deutsche Online-Programm mittelfristig einzustellen", sah sich der Sender-Chef mit besorgten Nachfragen aus fast allen Fraktionen konfrontiert. Vor allem die AfD hielt Limbourg entgegen, sie sehe an diesem Punkt einen Verstoß gegen den gesetzlichen Auftrag des Senders.

Deutsches Programm Konkret kritisieren die Verfasser des offenen Briefes die Streichung von Redaktionsschichten im deutschsprachigen Online-Angebot des Senders. Bisher seien jede Nacht ein Startseitenredakteur und zwei Nachrichtenredakteure im Einsatz gewesen. Ab Februar dieses Jahres solle aber zwischen 21.30 und 5.30 Uhr nur noch ein einzelner Startseitenredakteur "eine Art Stallwache" halten. Nach Vorstellungen der DW-Geschäftsleitung solle im Breaking-News-Fall der verbleibende Nacht-Redakteur, "eine Agenturmeldung auf die Seite heben", heißt es in dem Brief. Das "eherne und journalistisch sehr vernünftige Vier-Augen-Prinzip zur Qualitätssicherung" bleibe damit bei der Deutschen Welle "auf der Strecke". Dies sei um so gravierender, da das deutschsprachige Radioprogramm des Senders bereits 2011 eingestellt worden sei und der deutsche Fernsehkanal ;neben wenigen Eigenproduktionen hauptsächlich Wiederholungen aus dem ARD/ZDF-Kosmos" ausstrahle. Das Angebot unter "dw.com" sei das "einzige verbliebene deutschsprachige Vollprogramm" des Auslandssenders, das an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr "Nutzerinnen und Nutzer in allen Zeitzonen der Welt" auf dem aktuellsten Stand hält. Dies käme einem "Kahlschlag" gleich und widerspreche auch dem Auftrag des steuerfinanzierten Auslandssenders zur Verbreitung der deutschen Sprache, heißt es in dem Schreiben.

Peter Limbourg wiegelte jedoch ab. Natürlich werde es auch weiterhin ein deutschsprachiges Online-Angebot geben, dass auch rund um die Uhr über die sogenannte "Breaking-News"-Fähigkeit, sprich das schnelle Reagieren auf Eilmeldungen, verfüge. Allerdings, so räumte Limbourg ein, werde es zur Verschiebung von Redaktionsschichten aus dem deutschsprachigen in die fremdsprachigen Online-Angebote kommen. Damit wolle man den "explizit deutschen Sichtweisen" im fremdsprachigen Online-Angebot mehr Geltung verschaffen. Prinzipiell müsse der Auslandssender verstärkt auf fremdsprachige Angebote setzen. "Wir wollen die Menschen weltweit schließlich in einer Sprache erreichen, die sie auch verstehen", führte der Intendant aus. Demonstrativ hielt er in der Ausschusssitzung sein Smartphone nach oben. "Mit diesem Ding können sie weltweit deutsche Online-Angebote nutzen, egal ob vom ;Spiegel', dem ,Kicker' oder der ,Tagesschau'." Unter diesen Bedingungen sei es richtig, dass der deutsche Auslandssender sein fremdsprachiges Angebot ausbaue. Rund 95 Prozent der abgerufenen Inhalte entstamme dem fremdsprachigen Angebot des Senders, führte Limbourg aus. Zustimmung für diese Sichtweise bekam Limbourg im Ausschuss vor allem aus den Reihen der Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD signalisiert.

Reichweite Der Verweis auf die Entwicklung der Reichweite der Deutschen Welle, den der frühere Nachrichtenchef des Senders N24 seit 2013 als Intendant leitet, scheint Limbourg Recht zu geben. Laut eigenen Angaben konnte der Sender von 2018 bis 2019 seine Reichweite um 35 Millionen auf insgesamt 197 Millionen wöchentlicher Nutzerkontakte ausbauen. Den größten Zuwachs habe man bei den digitalen Angeboten mit einem Plus von 24 auf 61 Millionen Nutzerkontakte zu verzeichnen, gefolgt vom TV-Angebot mit einem Zuwachs von zehn auf 99 Millionen Nutzer. Den mit Abstand geringsten Zuwachs hat das Radioprogramm mit einer auf 37 Millionen Nutzern zu verzeichnen. Das Radioprogramm, das über Ultrakurzwelle (UKW) ausgestrahlt wird, spielt vor allem in den Subsahara-Staaten Afrikas noch eine wichtige Rolle, wo etwa 95 Prozent aller Radiohörer der Deutschen Welle leben. Für die Medienpolitiker von Bündnis 90/Die Grünen ist dies ein entscheidender Grund, an der Ausstrahlung des Radioprogramms auf absehbare Zeit festzuhalten, wie sie im Ausschuss betonten.

Führungskultur Eingehen musste der DW-Intendant zudem auf einen weiteren Brief von Mitarbeitern, die moniert hatten, die Leitung des Senders spiele Kritik an der Führungskultur im Sender, Machtmissbrauch, sexuelle und rassistische Übergriffe herunter. Vorangegangen war ein Artikel der britischen Tageszeitung "The Guardian", in dem schwere Anschuldigungen wegen dieser Punkte erhoben worden waren. Limbourg wies darauf hin, dass man im Sender sehr früh beispielsweise auf die "MeToo"-Kampagne eingegangen sei. Bereits 2017 sei ein Gleichstellungscheck durchgeführt und im vergangenen Jahr ein neuer "Code of Conduct" zu Verhaltensregeln und ein Diversity-Beauftragter eingeführt worden. Zudem seien für dieses Jahr die Etablierung einer speziellen "Task Force" für Führungsfragen im Zusammenarbeit mit den Betriebsräten, die Etablierung eines anonymisierten Beschwerdeverfahrens und verpflichtende Führungskräfte-Schulungen geplant.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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