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Aschot Manutscharjan

Wenn ein Mitglied der Linkspartei laut davon träumt, ein Prozent der Reichen gehörten erschossen, trifft dies bei ihren ideologischen Gegnern auf der rechten Seite auf viel Zustimmung. Der Leipziger Journalist Michael Kraske will allerdings von der "absurden Gleichsetzung" von AfD und Linkspartei nichts wissen.

"Wenn die Mehrheit der Bürger noch klar bei Verstand wäre, dann würde sie die Mistgabeln greifen und diese volksverratenden, volksverhetzenden Eliten aus der Parlamenten, aus den Gerichten, aus den Kirchen und aus den Pressehäusern prügeln", rief Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling 2016 von der Bühne in Leipzig. Kraske weist zu Recht darauf hin, dass man die Wirkung der Pegida-Bewegung, die "längst ein neues Zuhause in der AfD gefunden hat", kaum überschätzen könne. Sie habe die Ressentiments aus den Köpfen auf die Straße getragen: Dort habe sie ihren aggressiven und ungehemmt tabubrechenden Ausdruck gefunden. Dass der Autor dafür allein die sächsische Regierung verantwortlich macht, weil sie sich gescheut habe, "Rassismus und völkisch argumentierende Gesellschaftskritik als solche zu benennen", stärkt allerdings nicht Kraskes Glaubwürdigkeit. Leichtfertig verzichtet er darauf, das Schweigen der Zivilgesellschaft klar zu benennen. Vielmehr seien die Menschen im Osten vom Westen und von der Demokratie entfremdet. Ihre "schmerzhaften Erfahrungen und erlittenen Kränkungen lassen sich politisch nicht heilen". Die Menschen beherrsche die Angst in der Erwartung, dass die AfD die Regierung übernehme.

Alles in allem erklärt Kraske anschaulich, wie der Osten tickt, wo die "Wutquellen" und Gründe der Radikalisierung liegen. In seinen gut geschriebenen Reportagen berichtet er auch von seinen persönlichen Erfahrungen. Er empfiehlt, die Ungerechtigkeiten zwischen Ost und West zu korrigieren und mit Hilfe der politischen Bildung die Demokraten im Osten zu unterstützen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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