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Aschot Manutscharjan
Kurz renzensiert

Der britische Medienanalytiker Peter Pomerantsev hat ein informatives und unterhaltsames Buch über die eindrücklichen Versuche geschrieben, die Menschen gezielt zu desinformieren: "Wir leben in einer Welt der Amok laufenden Massenbeeinflussung." Anschaulich präsentiert er auch für den Laien verständlich den Instrumentenkasten der modernen Manipulatoren. Tief taucht der Leser ein in die Welt der Dark Ads, Psyops, Hacks, Bots, Soft Facts, Deepfakes, Fake News und Trolle Putins und Trumps. Pomerantsevs Buch vermag auch deshalb zu überzeugen, weil es auf zahlreichen Tatsachenberichten und Hintergrundgesprächen mit den verantwortlichen Machern in vielen Ländern beruht.

Pomerantsev schildert politische Entwicklungen, die durch Medienpolitik und Propaganda zielgerichtet beeinflusst wurden. So basiere das Hauptnarrativ der USA noch immer auf "Freiheit", Diktaturen beriefen sich hingegen auf "Patriotismus" und "nationale Interessen". Rasch seien sie mit Klagen über einen vermeintlichen Informationskrieg gegen ihr Land bei der Hand.

Detailliert erläutert der Autor die EU-Austrittskampagne in Großbritannien und den damit verbundenen Pop-up-Populismus. Er befragte die Wahlkampfmanager zu ihren Methoden. Zu ihnen gehörte es, Social-Media-Gruppen genau zu untersuchen, um so zu erfahren, was sie "dazu bringen könnte, wählen zu gehen": Tierrechte oder Schlaglöcher? Schwulenehe oder Umweltschutz? Tatsächlich brachten die Brexiteers die Menschen auch mit der Behauptung an die Wahlurnen, "die EU behandle die Tiere grausam". Während des Brexit-Referendums sei zudem die Vorstellung vom "Volk" wiederbelebt worden - allerdings nicht nur durch die Anti-EU-Kampagne. So habe die Labour-Partei auf die Formel: "Für die vielen, nicht die wenigen" gesetzt. Damit sei "das Volk" umdefiniert worden in eine Mehrheit und wenige "Volksfeinde".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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