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Aufgekehrt
Alexander Weinlein
Preiswürdiger Deal

Mitunter würde man doch gerne in den Kopf von Politikern schauen können. Zum Beispiel in den von Christian Tybring-Gjedde. Der Mann sitzt für die rechtspopulistische Fortschrittspartei im norwegischen Parlament und hat nun bereits zum zweiten Mal Donald Trump für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Trump sei mit seinen Vermittlungsbemühungen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten "ein einmaliger Deal" für den Frieden gelungen, zudem ziehe er die US-Truppen aus dem Irak ab. Klingt ja gar nicht so unvernünftig das Argument von Tybring-Gjedde - zumindest wenn man für einen kurzen Moment vergisst, dass die Bilder aus amerikanischen Großstädten derzeit eher an bürgerkriegsähnliche Zustände erinnern und Trump auch gerne mal dem Iran mit Krieg droht. Doch immerhin, Trump will ja auch einen Großteil der US-Truppen aus Deutschland abziehen. Das allerdings eher, weil die "Germans" seiner Ansicht nach einfach zu wenig für ihr Militär ausgeben. Aber gut, wen stören schon Fakten?

Vielleicht sollte Christian Tybring-Gjedde besser die deutsche Verteidigungsministerin für den Friedensnobelpreis vorschlagen. Gute Gründe liefert zum Beispiel der jährlich erscheinende Bericht des Wehrbeauftragten, der stets bescheinigt, dass Deutschland so ziemlich alles fehlt, um überhaupt einen Krieg führen zu können: Moderne Ausrüstung, funktionierende Waffensysteme und Soldaten. Dafür fahren die Uniformierten im Namen von Annegret Kramp-Karrenbauer ganz friedlich und kostenfrei mit der Bahn durchs Land. Das ist doch mal ein preiswürdiger Deal.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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