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Aschot Manutscharjan

"Wir sind jung, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!" Was verbirgt sich hinter Fridays for Future? Wer mehr wissen will, sollte das empfehlenswerte Buch des Jugendforschers Klaus Hurrelmann und des Journalisten Erik Albrecht lesen. Die Kernaussage der Studie lautet: Die junge Generation lässt sich nicht auf die Klimaschutzbewegung reduzieren, sondern sie ist eine komplexe, vielfältig politisierte Generation. Auf der Grundlage der aktuellen "Shell Jugendstudie 2019" identifizieren die Autoren fünf politische Orientierungen in der Generation Greta: Zur Gruppe der "Kosmopoliten" gehören zwölf Prozent. Sie wenden sich gegen populistische Aussagen und jedweden Autoritarismus, zugleich sprechen sie sich klar für Zuwanderung nach Deutschland aus. 27 Prozent sind "weltoffen", das heißt sie teilen die Haltung der Kosmopoliten, merken aber kritisch an, dass man in Deutschland nichts Negatives über Ausländer sagen dürfe, ohne als Rassist beschimpft zu werden. Die "Nicht-eindeutig-Positionierten" (28 Prozent) sprechen sich für eine Begrenzung der Zuwanderung aus und teilen sozialpopulistische Aussagen, unterstützen aber den Nationalpopulismus nicht. Zu den "Populismus-Geneigten" zählen 24 Prozent der Generation Greta. Sie befürworten eine "starke Hand" und den Einsatz von Gewalt bei gesellschaftlichen Konflikten. Zur Gruppe der "Nationalpopulisten" werden neun Prozent gerechnet. Während 51 Prozent der Abiturienten kosmopolitisch denken und nur 22 Prozent zum Populismus neigen, fallen die Ergebnisse bei Hauptschulabsolventen umgekehrt aus.

Anhand der Europa- und Landtagswahlen 2019 belegen Hurrelmann und Albrecht, dass aus der "Generation der Klimaretter" bereits wenige Monate später eine Generation hervorging, die anfällig für Populismus ist. Das alte Links-Rechts-Schema gebe es so nicht mehr. Die Trennlinie verlaufe heute zwischen Weltoffenheit und Populismus.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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