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Aschot Manutscharjan
Kurz REZENSIERT

Der Trend ist eindeutig: Sowohl hierzulande als auch weltweit steigt die Zahl der Senioren. Daraus ergeben sich für die Demokratie neue Herausforderungen, meint der Aachener Politikwissenschaftler Emanuel Richter. Mit zahlreichen Statistiken untermauert er seine These von der "Überalterung der Weltgesellschaft". Heruntergebrochen auf die Regionen ist diese pauschale Aussage jedoch keineswegs zutreffend. Gleichwohl bleibt Richter seinem Ansatz treu: "Dank ihrer großen Zahl könnten die Senioren wesentlich dazu beitragen, der Laienpolitik insgesamt erweiterten Einfluss zu verschaffen." Die politische Elite verfolge diese Entwicklung mit Sorge, schließlich werde ihre professionelle Expertise durch das Engagement der Älteren zunehmend in Zweifel gezogen. Belege dafür bleibt er schuldig.

Strittig sind auch die Aussagen des Autors über die möglichen finanziellen Beiträge der Senioren zur Entlastung des erschöpften Wohlfahrtsstaates und seine Gedanken über "Arbeiten und Konsumieren bis zum Tode". Und die Beobachtung, dass die Gegenwartsgesellschaft einem "Jugendkult" folgt, ist alles andere als neu. Eine Quelle für seine Behauptung, wonach die betuchten Rentner leichter für das politischen Leben zu gewinnen seien, bleibt er schuldig. Unterdessen schickt Richter die ärmeren Rentner arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. In ihrer Freizeit dürfen sie sich gerne auch politisch engagieren.

Mit ihrer politischen Teilhabe könnten die Senioren einen "kraftvollen basisdemokratischen Impuls" in die politischen Institutionen hineintragen, meint der Autor. Insofern erschließt sich der Buchtitel "Seniorendemokratie" erst beim Lesen. Denn "Herrschaft der Alten" ist damit gerade nicht gemeint. Das Buch endet durchaus optimistisch: Richter glaubt, dass die Überalterung der Gesellschaft in Deutschland mit einem Demokratisierungsschub einhergeht, der allen Generationen zu Gute kommen wird.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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