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Aufgekehrt
Claus Peter Kosfeld
Der Mensch und sein Müll

Eine Million Jahre! Normalerweise sind Politiker Akut-Akteure, viele aus dem Bauch heraus, gut zu beobachten, wenn aus Bayern mal wieder jemand Bundesverkehrsminister wird. Pkw-Maut? Super, machen wir. Geht nicht? Passt schon. Jetzt also Atommüll versenken, sicher nicht in Bayern, aber für immer, also mathematisch formuliert für eine Million Jahre. Für alle, die nicht so schnell rechnen können, hier mal kurz das Zieldatum: Anno Domini 1002020! Und wir dachten, die mittelfristige Finanzplanung wäre schon visionärer Denksport.

Der Physiker Charles Galton Darwin, Enkel des weitsichtigen Naturforschers Charles Robert Darwin, der uns einst die Evolution erklärte, hat in den 1950er Jahren ein Buch veröffentlicht mit dem Titel "Die nächste Million Jahre". Darin kommen die Menschen eher schlecht weg, immerhin kommen sie noch vor. So optimistisch ist nicht jeder. Klimaforscher etwa sehen uns als baldige Opfer der Urgewalten. Sollten die Menschen aussterben, wird ihr Müll sie noch ziemlich lange überleben, nicht nur der Atommüll. Die Blechdose braucht geschätzt 200 Jahre für die Zersetzung, die Plastikflasche je nach Bauart 500 bis 1.000 Jahre, Glasflaschen könnten mehrere Tausend Jahre überstehen, so gesehen ist jede illegale Müllkippe quasi ein dezentrales Endlager. Und wer schon mal in Indien war, weiß, dass die Müllkippe für zahllose Kinder auch ein Nachtlager ist.

Vielleicht überleben Menschen und mit ihnen der ein oder andere Archäologe, der in ferner Zukunft im Boden merkwürdige Fässer zutage fördert, die als Belege einer primitiven zivilisatorischen Entwicklungsstufe zur Forschung freigegeben werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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