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Parlamentarisches Profil
Jan Rübel
Der Unaufgeregte: Dennis Rohde

E r stand kurz vor seinem 34. Geburtstag, da wurde Dennis Rohde in diesem Mai eine Chefaufgabe übertragen: Haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion sollte er werden, weil sein Vorgänger Johannes Kahrs kurzfristig einen Schlussstrich unter seine parlamentarische Arbeit setzte. Fragen danach, ob er nicht zu jung für diese Verantwortung ist, kontert der Oldenburger prompt: "Kahrs' Vorgänger Carsten Schneider war noch jünger."

Das muss reichen. Bloß nicht zu viele Worte verlieren, nüchtern in der Bestandsaufnahme bleiben. Die unaufgeregte Art von Rohde wird ihm im Amt nicht im Wege stehen.

Bescheiden auch die Büroausstattung. Beim Hamburger Kahrs gab es mehr zu beobachten, nun herrscht asketische Kargheit. Fotos an der Schreibtischwand zeigen den Oldenburger Marktplatz, die Hunte-Brücke und das Bad Zwischenahner Meer. Gegenüber ein Trikot des lokalen Basketballclubs - das war's. "Ich bin ja auch erst seit drei Monaten hier", erklärt er.

Als haushaltspolitischer Sprecher agiert Rohde in einem Querschnitt zu allen Politikfeldern. Der Blick aufs Ganze und die Finanzierbarkeit: Das hat in Rohdes Terminkalender seit Mai zu vielen Einträgen geführt. Mit über seinen Schreibtisch geht jede Gesetzvorlage, die Ausgaben vorsieht. Wächst man in solch ein Amt hinein? "Ja. Ich bin mittlerweile soweit, dass ich die einzelnen Problemfelder erschließen kann", bilanziert er.

Die Verteidigung der "Schwarzen Null" gehört nicht mehr zu seiner Aufgabe. "In den nächsten Jahren werden wir diese Debatte nicht führen", sagt er. "Wir müssen aus der Delle herauskommen." Heißt: Der Bund nimmt Geld in die Hand. Vor Covid-19 hatte Rohdes Parteigenosse Olaf Scholz als Finanzminister die Null wie die zehn Gebote verteidigt. Ein Fehler? "Wir leben ja nun gut davon, dass wir Rücklagen gebildet hatten."

Politik begreift Rohde als eine Abwägung von Umsetzbarkeit. Früh interessierte er sich für Politik, seit 2006 ist er Ratsherr der Gemeinde Wiefelstede im Nordwesten der Republik, seit 2011 sitzt er im Kreistag. Die Familie väterlicherseits bestand aus Bauern, die der Mutter stellte Arbeiter. Auf seiner Website beschreibt Rohde, wie sein Opa, der als Bahnarbeiter beim Rangieren mit Waggons sein rechtes Bein verlor, gesagt habe: "Die da oben müssen endlich wieder was für uns tun." Stadtschülersprecher, dann der Umzug ins nicht ferne Hannover zum Jura-Studium, um weiterhin in der Kommunalpolitik zu bleiben; "ich bin zu früh in den Gemeinderat gekommen, um mich mit Phrasen und Utopien aufzuhalten". Dass er zum konservativen Seeheimer-Flügel in der SPD gehört, ist keine Überraschung.

Ein kurzer Blick aufs Handy: Termine absolviert Rohde heute seit 7.15 Uhr, der Arbeitstag wird bis 22 Uhr dauern. "Viel mache ich übers Telefon", sagt er. Glamouröse Auftritte in der Hauptstadt bei Schampus in Hintergrundkreisen kann man sich bei ihm nicht recht vorstellen. Als haushaltspolitischer Sprecher hat er auch Gespräche mit Lobbyisten zu absolvieren, "der Austausch ist wichtig, auch mit Gruppen, denen man traditionell nicht nahesteht". Doch diese Treffen hält er allesamt in seinem Büro und immer in Anwesenheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ab, "da bin ich sehr restriktiv". Dies ist die emotionalste Äußerung dieses Termins.

Seinen Wahlkreis gewann Rohde 2013 direkt. Vier Jahre zuvor war er erstmals seit 1969 an die CDU gegangen. Die Sozialdemokraten entschieden sich in ihrer Schmach für den Youngster - mit Erfolg. Die gemäßigte Gesprächskultur aus der Kommunalpolitik brachte er mit nach Berlin; für harte oder provozierende Worte ist er kaum zu haben. "Vor Ort wird mehr auf Sachebene kommuniziert, das hat sich mit dem Einzug der AfD 2017 in den Bundestag verändert." Nicht so wie im Kreistag in seiner Heimat, da sitzt seit 2016 die AfD, hat aber weder Redebeiträge noch Anträge gestellt. Überhaupt ist der Nordwesten für die Rechtspopulisten kein gutes Terrain. Er lächelt. "Dafür sind wir zu unaufgeregt."Jan Rübel

Aus Politik und Zeitgeschichte

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