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Aufgekehrt
Johanna Metz
Alles eine Frage des Zeitpunkts

Als der neue Hauptstadtflughafen BER am Samstag nach zahllosen Pannen und 14 Jahren Bauzeit seine Tore öffnete, muss auch dem letzten Optimisten klar geworden sein, dass Timing nicht seine Stärke ist. Statt fetter Opening-Feier mit VIPs und Feuerwerk musste das Einweihungsprogramm coronabedingt auf die Landung zweier Sonderflüge von Easy Jet und der Lufthansa eingedampft werden. Und wer einst belächelte, dass der in den 1990er Jahren geplante Airport für "nur" 27 Millionen Passagiere ausgelegt wurde, darf heute feststellen: Der Flughafen ist zu groß. Schon im September wollten von Berliner Flughäfen lediglich knapp 700.000 Fluggäste starten. Für die BER-Premieren-Fluggäste bieten sich in den leeren Terminals spannende Optionen, die Zeitersparnis zu nutzen. So können sie das Dampfreinigungsgerät "Steam Beast" beobachten, wie es auf dem Terminalvorplatz seelenruhig seine Runden dreht, um den bereits angegrauten hellen Naturstein wieder aufzufrischen. Wer besonders viel Zeit bis zum Boarding hat, kann eine frei zugängliche Steckdose suchen, um sein Handy zu laden. Tipp: Als der Flughafen 2011 ursprünglich eröffnet werden sollte, waren Smartphones und Tablets noch nicht so verbreitet wie heute. Man kann auf dem Weg zum Bahnhof auch ein bisschen Sport mit seinem Gepäck treiben, denn es gibt dort keine Rolltreppen, die nach unten führen. Vielleicht liegt der Swatch-Store auf dem Weg, da kann man noch eine Uhr kaufen, die neun Jahre Verspätung anzeigt. Der BER ist, keine Frage, schon jetzt ein außergewöhnlicher Flughafen. Nur in einem Punkt ist er wie alle anderen: Der halbe Liter Mineralwasser kostet auch hier unglaubliche 3,50 Euro.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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