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Sören Christian Reimer
Kurz REZENSIERT

Den High-Tech-Diskussionen dieser Tage zu folgen, ist kein einfaches Unterfangen. So griffig der Begriff "Künstliche Intelligenz" (KI) scheint, so komplex wird es, stochert man ein bisschen in die Tiefe: Von Algorithmen, "Big Data", maschinellem Lernen, neuronalen Netzen und Daten-Bias ist dann die Rede. Und dann kommen noch die Ethik und das Recht dazu: Welche Kriterien und welche Kontrollen sollten eingebaut werden, wenn Algorithmen beispielsweise die Rückfallwahrscheinlichkeit von Straftätern prognostizieren? Sollten sie das überhaupt tun?

Mit ihrem Buch "Ein Algorithmus hat kein Taktgefühl" will Katharina Zweig nun Orientierung bieten. Die Informatik-Professorin von der TU Kaiserslautern ist in der Lage, aus dem IT-Elfenbeinturm herabzusteigen und allgemeinverständlich komplexe, technische Hintergründe zu erklären. Unterhaltsam, mit zahlreichen Beispielen und vielen selbst gezeichneten Illustrationen führt sie aus, was eine Maschine eigentlich intelligent macht, wie sie lernt und welche Daten sie dafür braucht. Dabei werden die Leser auch selbst eingebunden und dürfen als "Support Vector Machine" mit Stift und Lineal versuchen, eine möglichst klare Trennung zwischen "guten" und "schlechten" Bewerbern zu finden. Diese anschauliche Einbindung des Menschen passt auch gut in Zweigs größeres Argument hinsichtlich der Regulierung: Der reine Blick auf den Code von Algorithmen, ein "Algorithmen-TÜV", geht fehl; es kommt auf den sozialen Kontext an. Obgleich die technische Leistung der Maschinen erstaunlich ist, zeigt die Autorin nachdrücklich, dass Menschen weiterhin mit ihren Entscheidungen zum Aufbau und Einsatz dieser Systeme in der Verantwortung stehen. Dafür setzt Zweig übrigens nicht nur die Feder an. Als sachverständiges Mitglied der Enquete-Kommission zur Künstlichen Intelligenz ist sie auch direkt an den Diskussionen im Bundestag beteiligt.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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