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Aschot Manutscharjan

Im Mittelpunkt der Autobiografie von US-Präsident Joe Biden steht seine Amtszeit als Vizepräsident unter Barack Obama (2009-2017). Dabei vergisst er nicht, sich als Familienvater zu präsentieren, der mehrere Schicksalsschläge überstehen musste: Seine erste Frau und seine kleine Tochter starben nach einem Autounfall; und sein Sohn Beau, der als Soldat den Irak-Krieg überlebt hatte, starb mit 46 Jahren an einem Hirntumor. Anrührend beschreibt Biden den langen Abschied von Beau.

Seit seinem 27. Lebensjahr steht Biden erfolgreich als Berufspolitiker im Dienst seines Landes. Anschaulich beschreibt er seine Reisen in den Irak und in die Ukraine, wo er sich für die Demokratisierung einsetzte. Scharf kritisiert Biden Putins "zynisches Vorgehen": Der russische Präsident habe die politische Instabilität benutzt und mit Waffengewalt die Krim erobert. Biden habe in Kiew "zwei volle Tage" investiert, um die Maidan-Revolution zu stützen.

Aufhorchen lässt, was Biden über die Weigerung der EU-Staaten schreibt, Sanktionen gegen Russland zu verhängen: Keiner der Großen Vier - Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Italien - "war scharf darauf, sein politisches Kapital zur Rettung einer aufblühenden Demokratie zu verschwenden, deren Führungskräfte sich bislang eher durch Korruption, Vetternwirtschaft und selbstzerstörerisches Verhalten hervorgetan hatten". Dies führte dazu, dass Biden bei den Minsker Verhandlungen im Februar 2015 dem ukrainischen Präsidenten den Rücken stärkte, "damit Merkel klar war, dass die Vereinigten Staaten hinter ihm standen und die Grenzen seines Landes garantieren".

Die von Trump angestiftete Erstürmung des Kapitols am 6. Januar unterstreicht den Kontrast zwischen dem erfahrenen und verantwortungsbewussten Biden und dem 45. Präsidenten, der als politischer Scharlatan und gefährlicher Populist in Erinnerung bleiben wird.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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