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MITARBEITERKAPITALBETEILIGUNGGastkommentar
Peter Ehrlich
Nicht attraktiv

Das Gesetz zur Beteiligung der Mitarbeiter am Firmenkapital wirkt seltsam aus der Zeit gefallen. Im Jahr 2007 beherrschte die Vision von Mitarbeitern, die vom Gewinn ihrer Firmen stärker profitieren als bisher und dabei deren Kapitalbasis stärken, monatelang die Reden der Kanzlerin und des damaligen SPD-Chefs Kurt Beck. Beck wollte gar einen Deutschlandfonds, der sich an Dax-Firmen beteiligt. Wenn heute von einem Deutschlandfonds die Rede ist, dann geht es darum, dass der Staat notleidenden Betrieben in der Krise helfen soll. Damals sollte den Arbeitnehmern Zugang zum Reichtum verschafft werden, heute werden dem Staat marode Betriebe eher aufgedrängt. Wer jetzt arbeitslos wird, wird in der Regel froh sein, wenn er nicht auch noch sein kleines Vermögen in der gleichen Firma angelegt hat.

Der Gedanke, etwa Prämien aus guten Geschäftsjahren in der eigenen Firma anzulegen, ist trotzdem nicht falsch. Das Gesetz passt die Freibeträge und die Steuerförderung so an, dass auch mittlere Einkommen wieder davon profitieren. Gerade einmal von zwei auf drei Millionen soll laut Regierung die Zahl der Menschen wachsen, die direkt oder indirekt an ihrer Firma beteiligt sind. In der Krise wird diese höhere Zahl nur langsam erreicht werden. Für Firmen, die sich mit Hilfe der Mitarbeiter aus der Abhängigkeit vom Kapitalmarkt lösen wollen, ist die Steuerförderung allerdings nicht attraktiv genug. Das einst große Projekt der Regierung wirkt stark geschrumpft.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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