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Hans-Jürgen Leersch
Geldversorgung wird schlechter

WIRTSCHAFT

Die deutsche Wirtschaft befürchtet, dass die Versorgung der Unternehmen mit frischem Kapital in Zukunft schwieriger wird, weil die Kapitalkosten steigen und die Anforderungen der Banken für Sicherheiten ebenfalls. In einer Anhörung des Wirtschaftsausschusses zum zweiten Konjunkturpaket der Koalitionsfraktionen (16/11740) am 9. Februar sagte Werner Schnappauf vom Bundesverband der Deutschen Industrie, seine Organisation habe bei der Auswertung einer Unternehmensumfrage festgestellt, dass es eine flächendeckende Kreditklemme derzeit nicht gebe. Aber es sei festzustellen, dass die Kredite teurer würden und die Banken höhere Anforderungen an die Kunden stellen würden. Eine Entspannung sei nicht in Sicht. Immer mehr Firmen müssten große Projekte verschieben, weil es schwierig sei, große Kredite mit längeren Laufzeiten zu bekommen. Schnappauf verlangte, toxische Papiere aus den Bankbilanzen herauszunehmen.

Martin Wansleben (Deutscher Industrie- und Handelskammertag, DIHK) bestätigte wie Schnappauf, dass es keine flächendeckende Kreditklemme gebe. Allerdings gebe es für einige Branchen eine schwierige Lage. Professor Peter Bofinger (Universität Würzburg) erklärte, es sei nicht nachvollziehbar, warum die steuerlichen Maßnahmen des Pakets erst in der zweiten Jahreshälfte 2009 wirksam werden sollten. Das passe nicht zum Verlauf der Krise und sei ein Fehler. Der private Verbrauch sei rückläufig. "Die Story mit dem guten Weihnachtsgeschäft war falsch", erklärte Bofinger. Die Abwärtsspirale müsse schnell gestoppt werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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