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KlimaschutzGastkommentar
Michael Bauchmüller
Fatale Entwicklung

Die einfachen Jahre sind vorbei im Klimaschutz. Die einfachen Jahre, das waren die Zeiten hoher Energiepreise. Mit Ölpreisen von bis zu 147 Dollar je Barrel war Klimaschutz schon Selbstzweck. Der Schutz der Erdatmosphäre durch den Verzicht auf fossile Rohstoffe diente nicht mehr allein dem Wohlergehen künftiger, sondern durchaus auch dem gegenwärtiger Generationen.

All das ist Vergangenheit. Ausgerechnet im so wichtigen Jahr 2009, in dem ein Nachfolge-Abkommen für das Kyoto-Protokoll ausgehandelt werden soll, lässt der Druck nach. Bei Ölpreisen um die 40 Dollar scheint die Abkehr von fossilen Rohstoffen nicht mehr ganz so zwingend, im Gegenteil: Die Weltwirtschaftskrise schafft neue Prioritäten. Die Wahrung des Lebensstandards scheint wichtiger als der Schutz der Erdatmosphäre.

Diese Entwicklung ist fatal. Einmal, weil der Kampf gegen die Erderwärmung keinen Aufschub mehr duldet, ganz im Gegenteil: Erkenntnisse, die noch vor zwei Jahren für Aufsehen sorgten, sind längst überholt. Neue, bessere Modelle sagen zum Teil weit gravierendere Folgen des Klimawandels voraus; sie treten schneller ein und werden teurer. Und zum anderen, weil die nächste Rohstoffkrise schon vor der Tür steht. Angesichts niedriger Ölpreise werden vielerorts Investitionen in Exploration und Förderung unterlassen. Viele Firmen können oder wollen sich das nicht leisten. Damit ist klar: Sobald die globale Wirtschaft sich erholt, ist der Ölpreis rasch wieder da, wo er im vorigen Sommer erst war.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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