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Kurz rezensiert
Alexander Weinlein
Angelesen

Dieser Titel provoziert. Bereits mit ihren Büchern "Nicht ungeschoren davonkommen" und "Wehrmachtskinder" hat sich Ebba D. Drolshagen an ein - vor allem in den während des Zweiten Weltkriegs besetzten Ländern - tabuisiertes Thema gewagt: die Liebesbeziehungen zwischen deutschen Soldaten und einheimischen Frauen. In ihrem neuen Buch "Der freundliche Feind" be- schreibt sie den Alltag deutscher Soldaten und der Zivilbevölkerung in Norwegen und Frankreich zwischen 1940 und 1945. Sie schreibt abseits aller Klischees über Freundschaften und Liebe, über Kollaboration und überlebenswichtige Anpassung, kurz: über Menschen, die von Staats wegen Feinde sein sollten. Und stets trennt sie zwischen "uniformierten Herrenmenschen" und dem "Schützen Arsch", zwischen echten und selbsternannten Widerstandskämpfern.

Irreführend ist jedoch der Untertitel. Denn Drolshagen schreibt mitnichten über "Wehr- machtssoldaten im besetzten Europa". In Osteuropa sahen die Besatzungsrealtitäten anders aus. Darauf weist die Autorin auch ausdrücklich hin - ebenso wie auf die grausame Übereinstimmung: Juden und andere "rassisch minderwertigen" Menschen wurden überall verfolgt und vernichtet.

Ebba Drolshagen:

Der freundliche Feind. Wehrmachts- soldaten im besetzten Europa.

Droemer Verlag, München 2009; 348 S., 20,60 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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