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Kurz rezensiert
Eckhard Stengel
Angelesen

Vom Saulus zum Paulus: Bremens Altbürgermeister Henning Scherf (SPD), der 2003 als Vorsitzender des Vermittlungsausschusses die Einführung von Hartz IV mitbetrieben hat, distanziert sich von der "neoliberalen Modernisierungspolitik". Die "im guten Glauben" beschlossenen rot-grünen Reformen hätten "auch viel Kummer über die Menschen gebracht", schreibt der 70-Jährige in seinem neuen Buch "Gemeinsam statt einsam". Dabei müsse sich die SPD "mit den kleinen Leuten solidarisieren", sonst verliere sie ihre Legitimation. Selbstkritisch schreibt Scherf: "Auch ich war im Sog der neoliberalen Reformpolitik." Ebenfalls auf Distanz geht der Sozialdemokrat zur Gesundheitsreform samt Praxisgebühr: Dadurch sei eine verfassungswidrige Klassenmedizin entstanden. Zur Sicherung des Sozialstaats empfiehlt er zum Beispiel eine Bürgerversicherung für alle und höhere Steuern für Reiche.

Daneben macht Scherf Mut zu Solidarität und Engagement des Einzelnen: Jeder könne mithelfen, "diese Welt ein Stück weit besser zu machen". Dazu liefert der gebürtige Bremer viele Beispiele aus seinem Erfahrungsschatz - teils etwas sprunghaft und notgedrungen bremenlastig.

Henning Scherf:

Gemeinsam statt einsam. Meine Erfahrung für die Zukunft.

Herder-Verlag, Freiburg 2009; 220 S., 18,95 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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