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Sabine Muscat
Kurz notiert

In den USA wurde die Nachricht von Angela Merkels Wiederwahl und der Bildung einer schwarz-gelben Koalition positiv aufgenommen. Am Wahlabend gratulierte US-Präsident Barack Obama der Kanzlerin, mit der er darin übereinstimmte, dass die bilaterale Kooperation sich "mit der Wahl einer starken deutschen Regierung" vertiefen werde. Die neue Konstellation werde die Zusammenarbeit vereinfachen, hieß es auch in Medien und Expertenrunden. "Ich hoffe, dass die neue Koalition bereit ist, Themen anzugehen, die hoch oben auf unserer Agenda stehen", sagte der frühere amerikanische Nato-Botschafter Kurt Volker am Rande einer Podiumsdiskussion.

Die Stimmung in der transatlantischen Gemeinde Washingtons ähnelt der Erleichterung, mit der Obamas Wahlsieg in Berlin aufgenommen worden war. Als wäre nach dem Republikaner George W. Bush der zweite Stolperstein im bilateralen Verhältnis beseitigt: eine von der schröderschen SPD geprägte neue deutsche Aufmüpfigkeit. "Deutschland hat sich vom Kollaborateur zum Blockierer entwickelt", sagte Volker. Er trauert den Zeiten nach, in denen die FDP die deutsche Außenpolitik fest in der Bündnistreue zu den USA verankert hatte. Der Parteivorsitzende Guido Westerwelle, der Außenminister werden könnte, bekennt sich zu seinem Mentor Hans-Dietrich Genscher. Doch wird in Washington die Frage laut, ob der Liberale etwa beim Militäreinsatz in Afghanistan wirklich so stramm zum Bündnispartner stehen würde. Im Wahlkampf hatte er einen Rückkehrplan für die Bundeswehr gefordert.

Zu unbekannt

Auf Obamas Linie liegt Westerwelle mit seinem Plädoyer für die nukleare Abrüstung. Doch damit meint er auch die in Deutschland stationierten taktischen US-Nuklearwaffen - soweit ist Obama in seiner Planung noch nicht. Zu diesen Zweifeln kommt, dass Westerwelle auf der anderen Seite des Atlantiks selbst Deutschland-Kennern unbekannt ist. "Er wird der erste offen schwule Außenminister sein, den Deutschland je hatte, aber er wird sich in außenpolitischen Fragen auf externen Rat verlassen müssen", lässt sich William Drozdiak, Präsident des American Council on Germany, zitieren. Kurt Volker schlägt vor, den perfekt Englisch parlierenden Wirtschaftsminister und ehemaligen Unions-Außenpolitikexperten Karl-Theodor zu Guttenberg zum Außenminister zu ernennen. "Er ist extrem bekannt in Washington und ist einer der wenigen Leute, die die transatlantische Beziehung zum Laufen bringen könnten."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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