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VOR 50 JAHREN ...
Benjamin Stahl
Flaggenstreit vor Olympia

6. Dezember 1959: Entscheidung in der Flaggenfrage

"Wenn Sie jetzt die Olympischen Ringe in die Fahne reinmachen, dann kommt der Zirkus Sarrasani und will einen Elefanten auf die Fahne und die Metzgerinnung einen Schweinskopf", wird Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) zitiert. Er hielt nichts vom Vorschlag des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zur Beilegung eines Flaggen-Streits zwischen der Bundesrepublik und der DDR im Vorfeld der Olympischen Spiele von 1960. Wie schon 1956 wollten die beiden deutschen Staaten mit einer gemeinsamen Olympiamannschaft an den Spielen in Squaw Valley und Rom teilnehmen. Anders als 1956 gab es jedoch vor den Spielen von 1960 ein Problem. Denn im Jahr 1959 führte die DDR eine eigene Staatsflagge ein und es stellte sich die Frage, unter welcher Fahne die gesamtdeutsche Mannschaft antreten sollte. Das IOC schlug einen Kompromiss vor: eine schwarz-rot-goldene Fahne mit den fünf olympischen Ringen in ihrem roten Feld. In der Bundesregierung löste der Vorschlag heftige Proteste aus. Sogar ein Boykott der Spiele wurde diskutiert. Adenauer schimpfte über das alternative Staatssymbol, es sei mit der nationalen Würde nicht zu vereinbaren.

Gegen den Widerstand der Regierung und auf Druck des IOC entschied sich letztlich das Nationale Olympische Komitee der Bundesrepublik am 6. Dezember 1959 für die Kompromiss-Flagge. Geschadet hat sie den Leistungen der deutschen Athleten nicht. Im Medaillenspiegel der Sommerspiele belegte das Team Rang vier und holte zwölf Goldmedaillen. Eine davon ging an die Kanustaffel, die aus zwei westdeutschen und zwei DDR-Kanuten bestand.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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