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Kurz rezensiert
Aschot Manutscharjan
Angelesen

Während einer Senats-Anhörung im Jahr 1946 wurde Robert Oppenheimer, der Vater der Atombombe, gefragt, ob drei oder vier Männer Teile einer Atombombe nach New York schmuggeln und die Stadt in die Luft jagen könnten. Oppenheimers Antwort: "Natürlich geht das, solche Leute könnten ganz New York zerstören." Mit seinen Warnungen vor den Gefahren eines Nuklearkonflikts machte sich der Physiker in Washington Feinde. Sie stießen sich an seinem Widerstand gegen die US-Verteidigungspolitik zu Beginn des Kalten Krieges, die sich auf die strategische Bombardierung gegnerischer Städte mit Atomwaffen im Kriegsfall stützte. Sein Plan einer internationalen Kontrolle der Atomenergie scheiterte.

Die mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete Biographie ist das Ergebnis einer mehr als 20-jährigen Spurensuche. Bei ihren Archiv-Recherchen fanden die Autoren Kai Bird und Martin J. Sherwin das einige Tausend Seiten umfassende Dossier des FBI. Die Bundespolizei hatte "Dr. Atomic" 25 Jahre lang bespitzelt. Ihr Buch ist äußerst empfehlenswert: Es bringt dem Lesen nicht nur den Physiker Oppenheimer näher, sondern ganz nebenbei wird die politische Geschichte der USA im 20. Jahrhundert vermittelt.

Kai Bird, Martin J. Sherwin:

Robert Oppenheimer. Die Biographie.

Propyläen Verlag, Berlin 2009; 672 S., 29,95 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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