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AUFGEKEHRT
Götz Hausding
Jawohl! Hoch die Becher!

Normalerweise wird die Sicherheit Deutschlands ja am Hindukusch verteidigt. Derzeit jedoch kämpft ein Teil der Bundeswehr im kanadischen Vancouver. Und das mit unterschiedlichen Waffen. Der Hauptfeldwebel Andre Lange etwa lenkt ein zigarrenförmiges Militärfahrzeug, auch Viererbob genannt. Der Stabsunteroffizier Robert Becker kämpft Mann gegen Mann mit Schlittschuhen an den Füßen beim Shorttrack-Wettbewerb. Am militärischsten, weil mit Waffe unterwegs, kommt jedoch Hauptfeldwebel Michael Greis, ein Biathlet, daher. Insgesamt sind 63 Bundeswehr-Sportler bei Olympia am Start. Dazu kommen noch 24 Athleten, die der Bundespolizei angehören und weitere zwölf die beim Zoll Dienst tun. Zu viele Staatssportler, kritisiert Sportausschuss-Chefin Dagmar Freitag und appelliert an die Wirtschaft, Sportler künftig finanziell besser zu unterstützen.

Dabei kann es insbesondere für die Bundeswehr nur von Vorteil sein, ein paar (sportliche) Vorbilder in den eigenen Reihen zu haben. Denn zuletzt drängte sich der Verdacht auf: Die Truppe säuft! Rituale, wie das Essen roher Schweinleber (igitt, igitt) und der Genuss alkoholischer Getränke bis zum Erbrechen haben unsere Landesverteidiger in ein schlechtes Licht gerückt. Auch Reinhold Robbe, Wehrbeauftragter des Bundestages, hat ein Alkoholproblem in Teilen der Truppe ausgemacht.

Wie schön wäre es da, wenn ein Wintersportler von militärischem Range für sportlichen Erfolg im Sinne eines Olympiasieges sorgt. Bedauerlicherweise gelten Sportler aber auch nicht gerade als unverdächtig, wenn es um die Frage des übermäßigen Alkoholgenusses geht. Dem siegreichen Olympia-Soldaten sollte deshalb per Befehl verboten werden, auf die Reporterfrage, was er denn nach seinem grandiosen Sieg so vorhabe, zu antworten: Jetzt wird gesoffen, bis der Arzt kommt!

Aus Politik und Zeitgeschichte

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