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Christoph Birnabum
Tue Gutes und rede nicht darüber

Gemeinnützigkeit Robert Jacobi bietet Einblicke in die Welt der Stifter und Mäzene

Gute Taten von Spendern und Stiftern haben auch in Zeiten der Wirtschaftskrise und Naturkatastrophen Hochkonjunktur. Doch über Stifter, Spender und Mäzene ist nur wenig bekannt. Oftmals noch nicht einmal ihr Name. Robert Jacobi deckt in seinem Buch "Die Goodwill-Gesellschaft" die Hintergründe dafür auf.

Mehr als 16.000 Stiftungen gibt es zur Zeit in Deutschland. Sie machen zwar nur einen Bruchteil dessen aus, was der Staat für Kultur, Bildung und soziale Aufgaben ausgibt, aber allein die Zahl ist schon erstaunlich. Rund 100 Milliarden Euro an Stiftungsvermögen stehen bereit. Das klingt auf den ersten Blick riesig, reduziert sich aber gewaltig, wenn man weiß, dass sich Stiftungsvorhaben in der Regel nur aus der laufenden Rendite heraus finanzieren lassen. Bei durchschnittlich vier Prozent Verzinsung sind dies nicht mehr als vier Milliarden Euro jährlich, die für gute Zwecke zur Verfügung stehen. Insgesamt, so schätzt der deutsche Fundraising-Verband, spenden die Deutschen jährlich rund 15 Milliarden Euro, das sind 182 Euro pro Bürger. Hinzu kommen rund 54 Milliarden Euro an ehrenamtlicher Arbeitsleistung. Deutschland ist, so schreibt Jacobi, auf dem Weg zum Stifterland.

Doch über die Stifter und Stiftungen, ihre Motive, Erfolgs- und Effizienzkriterien ist nur wenig bekannt. Über Geld spricht man hierzulande - im Gegensatz etwa zu den Vereinigten Staaten - nicht gern, noch weniger über gute Taten. Stiftungen, Vereine und vergleichbare Organisationen dürfen selbst entscheiden, ob sie Geschäftsszahlen preisgeben oder nicht. Es besteht keine Datenbank, die darüber informiert, wer hinter bestimmten finanziellen Zuwendungen steckt; nicht einmal darüber, welche Stiftung sich in welchem Umfang einem bestimmten Thema widmet. Und das weckt Neider und kritische Geister.

Eigeninteressen

"Philanthropie ist fast immer zutiefst undemokratisch insofern, als die wohlhabende Elite ihre Ressourcen einsetzt, um ihre eigene Vorstellung von öffentlichem Wohl durchzusetzen", zitiert Jacobi, früher Journalist der "Süddeutschen Zeitung" und heute Medienberater, den amerikanischen Politologen Peter Frumkin und resümiert: Gutes tun ist selten einfach nur gut. Das gilt für die milliardenschwere Bill Gates-Stiftung mit ihren Hilfsprogrammen in der Dritten Welt, die heute schon in einzelnen Ländern die Hilfsprogramme etwa der Uno bei weitem in den Schatten stellt und deshalb auf viele politische Vorbehalte stößt, genauso wie etwa für die bundesdeutsche Bertelsmann-Stiftung, die mit ihrem Sachverstand tief in den deutschen Politikbetrieb eingreift und damit Argwohn besonders im linken Lager weckt.

Damit ist das "Goodwill-Dilemma" umschrieben: Wohltätigkeit, so Jacobis Kernthese, muss sich an Erfolgskriterien messen lassen und sei der Gesellschaft, die sie über Steuerbegünstigungen mitfinanziert, Rechenschaft schuldig. Die Neigung der Stifter, mit ihrem Geld ihre Hobbys zu pflegen und sich dabei von niemandem hereinreden zu lassen, müssten Transparenz und Kooperationsbereitschaft weichen.

Eng verbunden damit ist eine zweite Forderung Jacobis: "Der gemeinnützige Sektor würde mit einem Schlag effizienter, wenn engagierte Menschen eine höhere Bereitschaft zeigen würden, sich in größere Zusammenhänge einzubringen, statt den eigenen Namen in der Form eines modernen Denkmals verewigen zu wollen."

Das alles klingt freilich kritischer, als es in Wahrheit ist. Im Gegenteil. Jacobi ist voller Respekt für die altruistischen Motive der Stifter. Seine Gespräche mit SAP-Gründer Dietmar Hopp, Arend Oetker, Nachfahren der Fugger-Dynastie und vor allem auch Roland Berger illustrieren dies. Jacobi will vielmehr auf Probleme aufmerksam machen. Sein Buch ist im besten Sinne ein Stück Aufklärung und eine Aufforderung, zu mehr Offenheit und Mut in einer Bürgergesellschaft, die um so nötiger wird, je weniger der Staat in der Lage ist, bestimmte Aufgaben zu bewältigen.

Robert Jacobi:

Die Goodwill-Gesellschaft. Die unsichtbare Welt der Stifter, Spender und Mäzene.

Murmann Verlag, Hamburg 2009; 250 S., 24,90 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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