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Johanna Metz
Abgeordnete auf Umwegen

PARLAMENT Sitzungswoche im Zeichen der Aschewolke

Die Eruptionen des isländischen Vulkans mit dem unaussprechlichen Namen Eyjafjallajökull haben viele Reisende unfreiwillig zu Aschewolke- und Sichtflugexperten gemacht. Auch für zahlreiche Bundestagsabgeordnete hieß es in den vergangenen Tagen aschebedingt umsteigen: vom Flugzeug auf Bus, Bahn oder sogar Schiff.

Egon Jüttner (CDU), Mitglied des Auswärtigen Ausschusses, beispielsweise weilte zum Zeitpunkt des Vulkanausbruchs ausgerechnet auf Island, wo er Gespräche über den geplanten EU-Beitritt des Landes führte. Dann begann Eyjafjallajökull zu spucken - und für Jüttner eine Odyssee durch Nordeuropa. "Der Vulkanausbruch hat meine Reisezeit nahezu verdoppelt", sagt Jüttner. Anstatt planmäßig von Reykjavik nach Frankfurt am Main zurückzufliegen, flog er zunächst nach Oslo, stach dort in See und kam nach 20-stündiger Fahrt mit der Fähre in Kiel an. Dann ging es am Mittwoch über Hamburg zurück nach Berlin. Da war es Nacht - zu spät für Plenum und Ausschüsse.

Matthias Miersch (SPD) kehrte sogar erst am Wochenende aus seinem Osterurlaub in den USA zurück - mehr als eine Woche später als geplant. "Ab dem 16. April, meinem eigentlichen Rückflugdatum, ging per Flugzeug nichts mehr. Die Fluggesellschaft bot mir einen frühesten Rückflugtermin am 26. April an." In seiner Not stieg der SPD-Abgeordnete am Montag in ein Schiff. Damit erreichte er sechs Tage später Madeira, von wo er sich mit dem Flugzeug weiter in Richtung Heimat durchschlug. Miersch nahm es mit Humor, schließlich habe es andere viel schlimmer erwischt: "Ich habe eine Familie mit drei kleinen Kindern getroffen, deren Rückflugtermin erst in drei Wochen liegt."

Keine Beschlüsse in Straßburg

Die Beschlussfähigkeit des Bundestages gefährdete Eyjafjallajökull übrigens zu keiner Zeit. Das Parlament ist laut Geschäftsordnung beschlussfähig, wenn mehr als die Hälfte seiner Mitglieder im Sitzungssaal anwesend ist. Im Europäischen Parlament hingegen fanden in der vergangenen Woche keine Abstimmungen statt. Das entschied Präsident Jerzy Buzek am Montag. Es sei, sagte er, vielen Abgeordneten schlicht unmöglich gewesen, nach Straßburg zu reisen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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