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AUFGEKEHRT
Götz Hausding
Frivoler Ratschlag

Das ist doch mal ein interessanter Gesundheitstipp: Fünf Mal pro Woche Sex hilft gegen Herzinfarkt. Dieser Ratschlag stammt nicht etwa vom 80-jährigen Rolf Eden, dem deutschlandweit bekannten Möchtegern-Frauenbeglücker, mit dessen Anziehungskraft es ohnehin nicht mehr weit her ist - Eden wollte gar schon den Klageweg über das Antidiskriminierungsgesetz beschreiten, als eine holde Maid seinem Ansinnen nach Austausch von Zärtlichkeiten mit der Bemerkung, er sei ihr zu alt, nicht entsprochen hatte.

Nein, der frivole Vorschlag kommt aus berufenerem Munde, nämlich dem des brasilianischen Gesundheitsministers. Der fordert, Erwachsene müssten "sich bewegen, laufen, tanzen und Sex haben". Dies beuge chronischen Krankheiten und Bluthochdruck vor.

Unter letzterem leiden auch hierzulande geschätzte 20 Millionen Menschen. Doch wo bleibt der Aufruf des Bundesgesundheitsministers zur verstärkten Kopulation? Und wann steht das Thema endlich auf der Tagesordnung des Gesundheitsausschusses? Oder wird Philipp Rösler etwa von der Pharmalobby, deren Auftraggeber an blutdrucksenkenden Pillen Unmengen verdienen, zurück gehalten?

Dass Bewegung hilft, wird durch das Bundesgesundheitsministerium keineswegs verheimlicht. In deren Broschüre "Aktiv sein" wird Schwimmen (zu anstrengend), Radfahren (zu langweilig) oder Nordic Walking (total uncool) angepriesen. Von den Vorteilen des regelmäßigen sexuellen Miteinanders für Geist und Körper hingegen kein Wort. Dabei könnte alsbald der Spruch "Von Brasilien lernen, heißt siegen lernen" Geltung erlangen. Die Wirtschaft boomt und Fußball-Weltmeister werden sie sowieso. Wenn sie sich nun auch noch mit solch eleganten Tricks ihrer Volkskrankheiten entledigen, sind sie auf dem Weg zur Supermacht nicht mehr zu stoppen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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