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AUFGEKEHRT
Götz Hausding
Alles wird gut!

War ja nur ein Tippfehler. Puh - noch mal gut gegangen. Als jüngst an der New Yorker Wall Street die Kurse einbrachen, machte sich - wie nicht anders zu erwarten - Panik breit. Wenn selbst Hersteller solch krisenfester Produkte wie Bier von jetzt auf gerade 100 Prozent ihres Wertes verlieren, wie es bei der Aktie der eigentlich soliden Boston Beer Company zu beobachten war, ist alles möglich, scheint den Börsenhändlern geschwant zu haben. Doch schon bald gabs Entwarnung, die Kurse stiegen wieder und als Erklärung für die kurze Schockwelle wurde flugs ein lächerlicher Eingabefehler gefunden.

Ob der Börsianer, als er auf der Tastatur daneben zielte, schon das ein oder andere Bostoner Bier intus hatte, ist nicht bekannt. Gleichwohl kann so ein Tippfehler immer mal passieren. Mal sehnsuchtsvoll an die Freundin gedacht oder spontan Magenschmerzen vom traditionell schlechten amerikanischen Bier bekommen - schwups wird aus einer Million eine Billion.

Vielleicht sollte man sich unter diesem Aspekt auch die verheerenden Zahlen aus Griechenland nochmals ansehen. Könnte doch sein, dass ein kleiner Kommafehler vorliegt - das Haushaltsdefizit der Griechen nicht bei 13,6 sondern bei 1,36 Prozent liegt? Kein Hilfspaket wäre nötig; von der Euroschwäche wäre keine Rede mehr. Schnell noch einen Ouzo auf den Schock und ins eigene Land geschaut: 80 Milliarden Euro Neuverschuldung in 2010. Ganz sicher? Könnte doch sein, dass bei einem der Behördenrechner eine Taste geklemmt hat und die Schuldenlast nur bei mickrigen 8,0 Milliarden liegt?

Falls sich diese Hoffnungen nicht erfüllen sollten und es mit den wegen der Schuldenbremse ab 2013 geplanten Einsparungen nicht zu klappen droht, könnte man immer noch 2031 daraus machen. Zahlendreher. Kann schon mal passieren. Und alles wird gut!

Aus Politik und Zeitgeschichte

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