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VOR 15 JAHREN ...
Sandra Ketterer
Die »Mutter der Kompanie«

11. Mai 1995: Erste Wehrbeauftragte vereidigt

Als Claire Marienfeld-Czesla ihr Amt antrat, war das für Deutschland ein Novum. Bisher hatte der Bundestag immer einen Mann als Ansprechpartner für die Soldaten gewählt. Doch das Votum war eindeutig: Am 29. März 1995 wählten die Abgeordneten sie mit breiter Mehrheit zur Wehrbeauftragten des Bundestages. Am 11. Mai wurde sie vereidigt. Marienfeld-Czesla war schon zuvor einen für Frauen eher ungewöhnlichen Weg gegangen: Als die CDU-Politikerin 1990 in den Bundestag gewählt wurde, wurde sie Mitglied des Verteidigungsausschusses. Der Zusammenbruch des Warschauer Paktes hatte ihr Interesse an Sicherheitspolitik verstärkt, erzählte sie einmal. Schon im Verteidigungsausschuss habe sie sich "nicht mit der Rüstung beschäftigt, sondern mit den Dingen, die die Soldaten betrafen", also etwa Unterkünfte und Wohnungsfürsorge.

Das Amt des Wehrbeauftragten ist einmalig in der deutschen Geschichte: Es soll ein zusätzliches Kontrollgremium des Parlaments gegenüber Regierung und Armee schaffen, als Lehre aus den Erfahrungen der Weimarer Republik und der NS-Zeit. Auch Claire Marienfeld-Czesla war Ansprechpartnerin für alle Soldaten. An sie konnten die Männer sich ohne Erlaubnis ihrer Vorgesetzten mit Problemen wenden. Die Tatsache, dass sie selbst keinen Wehrdienst geleistet hatte, stand ihr nicht im Wege. Dieses Kriterium wurde schon vor ihrer Zeit abgeschafft.

Für eine zweite Amtszeit kandidierte Claire Marienfeld-Czesla aus Enttäuschung über mangelnde Einflussmöglichkeiten nicht mehr. Ihr Nachfolger wurde der SPD-Politiker Willfried Penner.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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