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EZB-ANKAUF VON STAATSANLEIHENGastkommentar
Olaf Gersemann
Hoher Preis

Viele dürfen sich als Opfer der neuen Finanzkrise fühlen: griechische Beamte, deutsche Steuerzahler, Jürgen Rüttgers. Und nun auch die Europäische Zentralbank (EZB). Die Hüterin der europäischen Gemeinschaftswährung kündigte am Montag vergangener Woche an, sie werde Staatsanleihen malader Euro-Staaten kaufen - nur Tage, nachdem ihr Präsident Jean-Claude Trichet getönt hatte, im EZB-Rat sei über eine solche Nothilfe noch nicht einmal geredet worden.

Der Anleihenkauf, mit dem noch am selben Tag begonnen wurde, erreichte etwas, was die Regierungen zuvor monatelang vergeblich versucht hatten: Die Risikoaufschläge auf die Bonds der Krisenländer sanken. Und an den Börsen schwand die Sorge, die Verwerfungen an den Kapitalmärkten würden geradewegs in eine neue Rezession führen.

Doch der Preis, den Europa dafür zahlen wird, ist hoch. Über den Ankauf von Staatsanleihen finanziert die EZB indirekt Misswirtschaft in Athen, Lissabon oder Madrid - ohne dass eine solche Unterstützung an irgendeine disziplinierende Kondition gebunden wäre. Noch gravierender aber ist, wie der Kurswechsel der EZB zustande kam. Die Währungshüter agierten in einem entscheidenden Moment nicht unabhängig, sondern haben sich politischem Druck gebeugt. Damit unterminieren sie etwas, das sie mühsam und über Jahre hinweg aufgebaut hatten: ihre Glaubwürdigkeit.

Nicht auf Worte, auf Taten kommt es an, sagt Trichet. Genau das ist jetzt das Problem der EZB.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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