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AUFGEKEHRT
Susanne Kailitz
»Voll fett« für Deutschland

Oft ist zu hören, die Politik müsse weiblicher werden. Dann gäbe es mehr Empathie und weniger Kriege, es ginge mehr um die Sache und weniger um aufgeplusterte Egos und überhaupt ist es doch viel netter, wenn Steuererhöhungen in sanftem Tonfall angekündigt und nicht einfach mit einem "Basta!" hingesemmelt werden.

Vielleicht auch deshalb hat Horst Köhler in Zeiten der Krise seinen Stuhl frei gemacht - und dem Ganzen dabei mit ein paar Tränchen und einer guten Portion Zickigkeit einen femininen Touch verliehen, der auch in High Heels nicht hätte übertroffen werden können.

Nun also wird händeringend ein Nachfolger, besser aber eine Nachfolgerin gesucht. Und es kann nur ein Wink des Schicksals sein, dass ganz Deutschland gerade einer schnoddrigen 19-Jährigen zu Füßen liegt.

Was also läge näher, als Lena Meyer-Landrut nicht nur wie vorgeschlagen das Bundesverdienstkreuz zu verleihen und eine Straße nach ihr zu benennen, sondern sie gleich höchstselbst zur Bundespräsidentin zu küren?

Gut, das Grundgesetz besagt, dass mögliche Kandidaten für das höchste Amt im Staate mindestens 40 Jahre alt sein müssen - aber das bisschen Procedere kann man doch ändern. Immerhin hat der Bundestag in den vergangenen Krisenmonaten eindrucksvoll bewiesen, wie fix er reagieren kann, wenn schnelles Handeln "alternativlos" scheint.

Und mal ehrlich: Wer wäre besser geeignet, als eine Abiturientin, die höchstens in der Hälfte aller Fälle den richtigen Ton trifft und es trotzdem schafft, die berüchtigte Osteuropa-Mafia beim Grand Prix schachmatt zu setzen? Wer bestimmte Dinge "voll fett" findet und Fragen mit "nööt" verneint, der kann im Grunde jedes Interview vergeigen, ohne dass es überhaupt auffällt. Mehr kann doch wirklich keiner wollen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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