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Kai Portmann
Unrühmliche Schlagzeilen

ROH TAE-WOO Erst Gefängnis, dann Begnadigung

Der sechste Präsident Südkoreas wird oft in einem Atemzug mit seinem Vorgänger Chun Doo-hwan genannt. Denn die Lebensläufe sind eng miteinander verflochten, angefangen mit der Ausbildung in der Militärakademie in den 1950er Jahren bis hin Entlassung der beiden Ex-Präsidenten aus der Haft 1997. Unter anderem waren sie wegen der blutigen Niederschlagung pro-demokratischer Demonstrationen im Kwangju-Massaker 1980 sowie Bestechlichkeit verurteilt worden. Chun hatte als Diktator von 1980 bis 1988 regiert und Roh zu seinem Nachfolger auserkoren. Unter Chun war Roh zunächst Chef der militärischen Geheimpolizei, bevor er dann als Sport- und Innenminister fungierte. Bei den Präsidentschaftswahlen 1988 profitierte Roh von der Zerstrittenheit der demokratischen Opposition. Roh reichte so etwas mehr als ein Drittel der Stimmen zum Sieg. Unter ihm begannen demokratische Reformen, die Roh allerdings aufgezwungen wurden, denn die Olympischen Spiele boten den demokratischen Kräften im Lande die ideale Bühne für öffentlichkeitswirksame Demonstrationen. Danach machte Roh unrühmliche Schlagzeilen: Er gestand ein, im Amt von Wirtschaftsmanagern Bestechungsgeldern kassiert zu haben. Dafür und für seine Verwicklungen in den Militärputsch und das Kwanjung-Massaker wurde Roh zu 17 Jahren Haft verurteilt. Ende 1997 durfte er schon nach zwei Jahren Haft das Gefängnis verlassen, ebenso wie Chun, der lebenslänglich bekommen hatte. Ihre Begnadigung hatten die beiden Generäle und Diktatoren ausgerechnet den zwei Männern zu verdanken, die sie früher bekämpft hatten: dem amtierenden Präsidenten Kim Young-sam und dem Dissidenten und designierten Präsidenten Kim-Dae-jung.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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