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Kai Portmann
Gescheiterter Staatschef

KIM YOUNG-SAM Als Reformer an die Spitze

Mit Kim Young-sam übernahm im Februar 1993 nach mehr als drei Jahrzehnten wieder ein Zivilist das Präsidentenamt. Lange Zeit lang hatte Kim unter Militärdiktatoren als einer der führenden Oppositionellen für demokratische Reformen in Südkorea gearbeitet. 1987 scheiterte er bei der ersten demokratischen Präsidentschaftswahl, weil er sich mit seinem früheren Mitstreiter Kim Dae-jung über die Richtung ihrer neuen Partei entzweit hatte und beide für die Opposition ins Rennen gingen. Bei der nächsten Wahl aber gelang es Kim, seinen Erzrivalen Kim Dae-jung, zu schlagen. Getragen von einer Welle der Zustimmung im Volk trat Kim das höchste Amt im Staate an. Doch in das Bewusstsein der Südkoreaner ist er schließlich als ein gescheiterter Staatschef eingegangen. Zwar setzte Kim Koreas gerade zaghaft begonnen Weg hin zu mehr Demokratie fort. Zwar brachte er die früheren Diktatoren Chun Do-han und Roh Tae-woo zumindest zeitweise hinter Gitter, bevor er sie begnadigte. Doch in seine Amtszeit fiel die asiatische Finanzkrise Ende der 1990er Jahre, unter der Südkorea schwer zu leiden hatte, angefangen bei der Insolvenz des Autobauers "Kia Motors" 1997. Der Internationale Währungsfonds musste schließlich einspringen und das Land vor dem Ruin retten. Diese Demütigung kreideten die Südkoreaner ihrem Präsidenten an. Sie warfen ihm Verrat an der Nation und Führungsschwäche vor. Die öffentliche Unterstützung für Kim schwand immer mehr. Kim Young-sam könnte heute als eine bedeutende Gestalt in Südkoreas Geschichte gelten, sagte einmal ein Berater seines Nachfolgers Kim Dae-jung - wenn er nur nicht Präsident geworden wäre.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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