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Sven Hansen
Heißer Krieg im Kalten

MÄCHTE Teilung Koreas bereits in Jalta beschlossene Sache

Der Korea-Krieg war der erste "heiße" im Kalten Krieg und prägte diesen. Der Konflikt in Korea begann als Bürgerkrieg und wurde schnell internationalisiert. Ihm gingen die Truman-Doktrin (Beistandsversprechen für vom Kommunismus bedrohte Staaten vom März 1947), die Berlin-Blockade (1948/49), die Nato-Gründung (April 1949), der erste sowjetische Atomtest (August 1949) und der Sieg der Kommunisten in China (Oktober 1949) voraus. All dies verschlechterte bereits deutlich das Verhältnis der beiden großen Siegermächte des Zweiten Weltkriegs und führte zur Teilung Europas.

Die Nachkriegspläne der West-Alliierten hatten eigentlich die Unabhängigkeit Koreas vorgesehen. Doch weil sie sowjetische Unterstützung im Krieg gegen Japan wollten, schlugen die USA bei der Konferenz von Jalta Moskau die Teilung Koreas in zwei Besatzungszonen vor. Deshalb schickte Stalin die Rote Armee in die nördliche Halfte des Landes. Erst Wochen später landeten US-Truppen im Süden.

Sprungbrett nach Japan

Nach Japans Niederlage wollten die USA dort die Sowjets doch nicht dabei haben. Zugleich erkannte Stalin Koreas strategische Lage als Pufferstaat an der sowjetischen Ostflanke wie als mögliches Sprungbrett nach Japan im Falle eines Konflikts mit den USA.

Südkoreas konservativer Potentat Rhee Syng-man prahlte mit einem Marsch in den Norden, war militärisch dazu aber nicht fähig. Nordkoreas Führer Kim Il-sung setzte im Süden zunächst auf Guerillakrieg und Aufstände. Als dies fehlschlug, wollte er einen Krieg und ging vom raschen Sturz des südlichen Regimes aus. Doch dafür brauchte er Moskaus Unterstützung. Die hatte ihm Stalin 1949 nicht geben wollen, der das Eingreifen der USA fürchtete. Im Frühjahr 1950 stimmte Stalin doch zu. Er schickte Kim auch zu Mao Tse-tung, denn bei einem Misserfolg könne die Sowjetunion nur materiell helfen. Mao soll nicht begeistert gewesen sein; seine Priorität war der Kampf gegen die Kuomintang in Formosa (Taiwan). Doch erhoffte er sich von einer Zustimmung sowjetische Hilfe, auf die China angewiesen war.

Eindämmung des Kommunismus

Die USA überraschte der nordkoreanische Angriff auf den Süden, doch reagierten sie ebenso unerwartet. Sie schickten sofort erste Soldaten nach Südkorea und die 7. US-Flotte in die Taiwan-Straße, um dort ein Übergreifen des Konflikts zu verhindern. In Washington hatten die Domino-Theorie und die Bereitschaft zur Eindämmung des Kommunismus gegenüber einer Appeasementpolitik die Oberhand gewonnen.

So war Kim Il-sung plötzlich mit den USA konfrontiert, die seine Truppen bis an Chinas Grenze zurückschlugen. Das rief für die US-Regierung unerwartet die Chinesen auf den Plan, die die US-Truppen und ihre Verbündeten wieder zurückwarfen. Zum Glück wurde der US-Befehlshaber Douglas MacArthur daran gehindert, chinesisches Territorium anzugreifen und Atomwaffen einzusetzen. Das hätte zum Krieg mit der Sowjetunion führen können.

Der Krieg endete ohne Sieger und ohne große Grenzverschiebungen. Stalin bekam zwar einen (halben) Pufferstaat, doch dafür auch eine massive konventionelle amerikanische Aufrüstung, die beschleunigte Wiederbewaffnung Westdeutschlands, Japans Integration in westliche Sicherheitsstrukturen sowie neue antikommunistische Verteidigungsbündnisse. Der Krieg zwang China für viele Jahre an die Seite der Sowjetunion und trieb einen Keil zwischen Washington und Peking. Vor allem aber schrieb der Krieg Koreas Teilung fest.

Der Autor ist Asien-Redakteur der "tageszeitung" (taz) in Berlin

Aus Politik und Zeitgeschichte

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