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Kai Portmann
Ikone der Demokratie

KIM DAE-JUNG Nobelpreisträger für die Annäherung

Von allen Präsidenten Koreas hat Kim Dae-jung den abenteuerlichsten Werdegang. Kim, von 1998 bis 2003 Staatsoberhaupt, war eine Ikone der Demokratie. Sein bedeutendster Moment als Staatschef war der 13. Juni 2000, als er nach Pjöngjang ins stalinistische Nordkorea reiste und sich mit Kim Jong-il traf. Für seine "Sonnenschein"-Politik der Annäherung an den Norden erhielt Kim Dae-jung den Friedensnobelpreis. Kims Weg in das Präsidentenamt war lang und dramatisch. Seine politische Laufbahn begann in den 1950erJahren, 1961 eroberte er einen Sitz in der Nationalversammlung. Doch bevor er seinen Posten antreten konnte, putschte sich General Park Chung-hee an die Macht. Genau zehn Jahre später unterlag Kim knapp gegen Park bei der Präsidentenwahl. Kurz darauf wurde Kims Auto von einem Lastwagen abgedrängt. Weitere Anschläge sollten folgen. Kim überlebte sie alle. 1973 entführten ihn Agenten des koreanischen Geheimdienstes aus einem Hotel in Tokio; der Mordanschlag wurde vermutlich vom US-Geheimdienst CIA vereitelt. Fast eineinhalb Jahrzehnte verbrachte Kim danach unter Hausarrest oder im Gefängnis, 1980 wurde er des Hochverrats bezichtigt und zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde später in 20 Jahre Haft umgewandelt und ausgesetzt. Kim durfte in die USA ausreisen und an Universitäten unterrichten. Nachdem er seine politischen Rechte wieder erlangt hatte, kandidierte Kim erfolglos um das Präsidentenamt. 1997 schließlich setzte er sich durch. Seine Vorgänger und Peiniger Chun Doo-hwan und Roh Tae-woo lud Kim zu sich bei seiner Amtseinführung ein, als Zeichen der Aussöhnung auch im Inneren Koreas.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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