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VOR 20 JAHREN ...
Amei Stock
Gemeinsames Gedenken

17. Juni 1990: Erinnerung an Volksaufstand

An diesem Tag gedachten Abgeordnete des Bundestages und der Volkskammer zum ersten Mal gemeinsam in Ostberlin des Aufstands im Jahr 1953. Hauptredner der Veranstaltung war Manfred Stolpe, der später langjähriger Ministerpräsident von Brandenburg wurde.

Die Gedenkfeier galt dem antistalinistischen Aufstand vom 17. Juni 1953. Schon am Vortag, dem 16. Juni, hatte es in Berlin Proteste von Arbeitern gegen die erhöhte Arbeitsnorm ohne Gehaltsausgleich gegeben. Da die Regierung nicht reagierte, entschloss man sich am nächsten Tag in einen Generalstreik zu treten. Am 17. Juni begann nicht nur in Berlin, sondern in der gesamten DDR ein Volksaufstand, der im Gegensatz zum Vortag auch politische Veränderungen forderte. Durch das Radio hatte sich der Ruf aus Berlin in ganz Ostdeutschland ausge-breitet.

Da sich die deutschen Sicherheitskräfte allein gegen das Volk nicht durchsetzen konnten, wurde noch am selben Tag von der Sowjetunion das Kriegsrecht verhängt. Am Vormittag des 17. Juni wurden die Proteste vom sowjetischen Militär brutal und blutig beendet. Seitdem galt der 17. Juni als "Tag der deutschen Einheit" für Westdeutschland, auch weil neben weiteren wirtschaftlichen Forderungen dort erstmals der Ruf nach Wiedervereinigung erschollen war.

Am Tag der Gedenkfeier beschloss die Volkskammer neue Verfassungsrundsätze, die die alten sozialistischen Elemente außer Kraft setzten. 108 Tage später, am 3. Oktober 1990, erhielt die DDR eine neue Verfassung - und die vereinte Bundesrepublik ein neues Datum für den "Tag der deutschen Einheit".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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