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VOR 35 JAHREN ...Damals
Johannes Müller
Kosmosblau und schick

1. Oktober 1975: Weibliche Offiziere

"Beim Aufsuchen eines Bundeswehrkrankenhauses von zarter Frauenhand behandelt zu werden", das wünschte der FDP-Abgeordnete Lothar Krall seinen Abgeordnetenkollegen, als im Juni 1975 ein Gesetz der Regierung Schmidt beraten wurde. Verteidigungsminister Georg Leber (SPD) hatte eine Lösung für den Ärztemangel in der Bundeswehr gefunden: Frauen. Erstmals in der 20-jährigen Geschichte der Bundeswehr sollte damit das weibliche Geschlecht Zugang zum Militär erhalten. Sie in kämpfenden Truppen einzusetzen schlossen die Parlamentarier damals noch strikt aus. Nach dem Grundgesetz durften Frauen "auf keinen Fall Dienst mit der Waffe leisten". Auch zuvor waren Ärztinnen keine Ausnahme im Bundeswehrkrankenhaus, doch die Soldatenlaufbahn blieb ihnen verwehrt. Die Neuregelung sollte fertig ausgebildeten Medizinerinnen die Möglichkeit bieten, gleichberechtigt mit den männlichen Kollegen im Sanitätsdienst zu arbeiten. Am 1. Oktober war es so weit: Die ersten fünf Soldatinnen traten ausgestattet in neu gestalteter Uniform mit Rock ihren Dienst an. "Die Welt" stellte eine Verwechslungsgefahr mit Politessen und Stewardessen fest.

Verena von Weymarn war es, die als Ärztin und Sanitätsoffizier in die Geschichtsbücher einging. Mit ihrer Beförderung zum Generalarzt erlangte sie im Jahr 1994 als erste Frau in der deutschen Geschichte den Generalsrang. Doch bis die im Parlament versprochene "Gleichstellung von Mann und Frau" im Militär eingelöst wurde, war erst das Urteil des Europäischen Gerichtshofs im Jahr 2000 nötig, das Frauen auch zum Dienst an der Waffe zuließ.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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