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AUFGEKEHRTAufgekehrt
Götz Hausding
Die Gold-Kati und der Kaiser

Die Symbolkraft ist unbestreitbar: Pünktlich zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit wird Katarina Witt die neue Frontfrau bei der Olympiabewerbung Münchens für die Winterspiele im Jahre 2018. "Ich halte meinen Kopf hin", sagt die charmant sächselnde Ex-Karl-Marx-Städterin, die einst vom "Time-Magazine" für ihre olympischen Eiskunstlauferfolge für die DDR zum "schönsten Gesicht des Sozialismus" gekürt wurde. Sie soll nun die "gesamtdeutsche Bewerbung" zum Erfolg führen und somit in die Fußstapfen von "Kaiser" Franz Beckenbauer treten, der die Fußball-WM 2006 quasi im Alleingang nach Deutschland geholt hatte.

Hauptaufgabe Witts wird es sein, die bockigen bayerischen Bauern zu überreden, ihre Äcker und Wiesen der gesamtdeutschen Aufgabe zur Verfügung zu stellen. Die meutern derzeit nämlich noch, nicht zuletzt weil sie sich auch von der bayrischen Landesregierung um Ministerpräsident Horst Seehofer übergangen fühlen. Sollte die schöne Katarina die Wogen glätten können - und wer zweifelt schon daran, dass auch der verstockteste Landwirt bei einer anständigen Brotzeit und einer halben Maß mit der Kati weich wird - bleiben noch die protestierenden Umweltschützer. Die scheinen kein so rechtes Vertrauen in die Aussagen von Michael Vesper, dem Aufsichtsratschef der Münchner Bewerbung, zu haben, obwohl der ehemalige Grünen-Politiker unentwegt erklärt, die umweltfreundlichsten Spiele aller Zeiten zu planen.

Da muss wohl der Sportausschuss des Bundestages einschreiten, der die Bewerbung mehrheitlich unterstützt. Die Abgeordneten sollten vielleicht mal vorsichtig bei Franz Beckenbauer anfragen. Dem wird schon ein schlauer Gedanke kommen, wie man die ewigen Nörgler besänftigt. Und mit "Gold-Kati" und "Kaiser Franz" wächst dann endlich zusammen, was zusammen gehört.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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