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Kurz rezensiert
Aschot Manutscharjan
Angelesen

123 Historiker, Völkerrechtler und Politikwissenschaftler aus 17 Ländern haben einen Sammelband über Vertreibungen, Zwangsaussiedlungen und ethnische Säuberungen im Europa des 20. Jahrhunderts veröffentlicht. Das umfangreiche Nachschlagewerk mit zahlreichen weiterführenden Literaturhinweisen ergänzt die jüngeren wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Thema.

Über 300 Artikel erklären die Begrifflichkeiten, mit denen Vertreibungen beschrieben werden: angefangen mit der Erosion der multiethnischen Imperien im östlichen Europa und den Deportationen während des Ersten Weltkrieges. Berücksichtigt wurde auch die Militärintervention der Nato im Frühjahr 1999, die die Vertreibung von fast einer Million Albanern aus dem Kosovo beendete.

Obwohl Deutschland "wegen des Umfangs der vom NS-Staat initiierten und von Deutschen erlittenen Vertreibungen einen wichtigen Platz einnimmt", haben die Herausgeber alle Zwangsmigrationen in Europa gleichgewichtig behandelt. Zumindest sofern es der derzeitige, durchaus lückenhafte und nicht selten kontroverse Forschungsstand erlaubt.

Detlef Brandes, Halm Sundhausen, Stefan Troebst (Hg):

Lexikon der Vertreibungen.

Böhlau Verlag, Köln 2010; 801 S., 79 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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