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Kurz rezensiert
Aschot Manutscharjan
Angelesen

Im Juni 2005 verurteilte der Bundestag die Vertreibungen und Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges. Im März dieses Jahres stufte der Auswärtige Ausschuss des US-Repräsentantenhauses die Massaker an den Armeniern als Genozid ein, kurz darauf folgte das schwedische Parlament - obwohl die türkische Regierung in Ankara lautstark protestiert hatte.

Abgesehen von der Leugnung der historischen Tatsachen untersagt es die Türkei ihren Bürger bis heute, sich mit der Geschichte des Völkermords an den Armeniern auseinanderzusetzen. Dabei könnte nach Ansicht der Journalistin Sibylle Thelen gerade die Aufarbeitung der Vergangenheit die Entwicklung der türkischen Zivilgesellschaft stärken. Von daher begrüßt die Autorin die Versuche türkischer Künstler, die Vergangenheit aufzudecken und so die offenen Identitätsfragen der Gesellschaft zu beantworten. In dem empfehlenswerten Band wird auch der aktuelle Annäherungsprozess zwischen Armenien und der Türkei analysiert.

Sibylle Thelen:

Die Armenierfrage in der Türkei.

Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2010; 95 S., 9,90 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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