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Kurz rezensiert
Jörg von Bilavsky
Angelesen

Die geldgierigen Banker sind an allem schuld. An der Finanzkrise, an der Rezession, an der Arbeitslosigkeit. Zweifel an solchen Pauschalurteilen sind immer angebracht. Insbesondere wenn man den Charakter und Verlauf von Wirtschaftskrisen in Geschichte und Gegenwart analysiert. Krise ist nämlich nicht gleich Krise, sagt der Frankfurter Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe. Das ökonomische Auf und Ab ist seiner Ansicht nach im Kapitalismus ebenso folgerichtig wie notwendig. Plumpe konstatiert damit eine Gesetzmäßigkeit, die er an vielen historischen Beispielen präzise belegen und begründen kann.

So einleuchtend Plumpe Agrarkrisen vor und die eigentlichen Wirtschaftskrisen seit dem 19. Jahrhundert skizziert, so getrübt bleibt sein Blick bisweilen für einzelne Akteure und ihre Motive. Dass der homo oeconomicus nicht immer rational, oftmals opportun wirtschaftet und Krisen heraufbeschwört, zieht Plumpe nur am Rande ins Kalkül. Doch nicht nur die Mechanismen, sondern auch die Mechaniker der kapitalistischen Wirtschaftsordnung gilt es zukünftig besser zu verstehen.

Werner Plumpe:

Wirtschaftskrisen. Geschichte und Gegenwart.

Verlag C.H. Beck, München 2010; 128 S., 8,95 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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