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Malte Fischer
Blasen, Basel, Banken

FINANZMÄRKTE Sind wir jetzt vor Crashs sicher? Gier ist nicht gesetzeswidrig - Fragen und Antworten rund um die Krise

Sind wir in Zukunft vor Blasen sicher?

Zehn Jahre ist es her, dass der US-Ökonomen Robert Shiller mit seinem Buch "Irrational Exuberance" (Irrationaler Überschwang) für Aufsehen sorgte. Damals warnte Shiller vor dem Platzen der Dotcom-Blase. Niemand wollte auf ihn hören, bis die Blase platzte und die Weltwirtschaft in die Rezession stürzte. Heute ist Shiller ein Star - und Spekulationsblasen sind ein beliebtes Forschungsobjekt für Ökonomen.

Bereits im 17. Jahrhundert gab es Spekulationsblasen. Damals importierten Händler Tulpenzwiebeln aus dem osmanischen Reich nach Holland, wo sie rasch zum Statussymbol der Oberschicht wurden. Zwischen 1634 und 1637 schossen die Preise für Tulpen um den Faktor 50 in die Höhe. Dann brachen sie binnen weniger Tage um 95 Prozent ein. Ähnliche Übertreibungen gab es bei der Eisenbahneuphorie in England zwischen 1820 und 1850, der Silberblase in den 1970er Jahren und der Aktien- und Immobilienblase in Japan in den 1980er Jahren.

Charakteristisch für Spekulationsblasen ist, dass sie von einer Euphorie getragen werden. Der Neid auf die Erfolge der Nachbarn lässt immer mehr Menschen auf den fahrenden Zug aufspringen. Aus ihren Fehlern lernen sie nur zögerlich, wie Laborexperimente des Wirtschaftsnobelpreisträgers Vernon Smith zeigen. Smith hat Probanden mit Wertpapieren handeln lassen. Schnell bildete sich eine Preisblase, die platzte. Aufgefordert, das Experiment zu wiederholen, trieben die Probanden die Kurse erneut in die Höhe, weil sie hofften, diesmal schlauer zu sein und rechtzeitig auszusteigen. Wieder ging es schief, allerdings schneller als beim ersten Mal. Erst in der dritten Runde setzte ein Lerneffekt ein.

Eine wichtige Rolle beim Entstehen von Blasen spielen die Medien. Jede Blase braucht ihre Story - die Medien liefern und verbreiten sie. "In primitiven Gesellschaften ohne Medien sind Blasen nur schwer vorstellbar", sagt Ökonom Shiller.

Meist gehen Blasen mit einer lockeren Geldpolitik einher. Pumpen die Währungshüter zuviel Liquidität in die Wirtschaft, treibt diese die Preise von Aktien, Rohstoffen und Immobilien in die Höhe. Daher kritisieren viele Ökonomen die US-Notenbank Fed, sie habe nach der Asienkrise Ende der 1990er Jahre die Leitzinsen viel zu lange viel zu niedrig gehalten und so die Dot-Com-Blase und später die Häuserblase aufgepumpt. Allerdings ist es schwer, Blasen rechtzeitig zu identifizieren. Dazu müsste man den fundamentalen Wert eines Vermögensgutes kennen. Noch haben Ökonomen dafür keine allgemein anerkannte Methode. Daher bleibt den Anlegern vorerst nur, den gesunden Menschenverstand einzuschalten - und beim Verdacht auf eine Blase vorsichtig zu sein.

Der Autor ist Redakteur der

"Wirtschaftswoche".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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