Inhalt

Christoph Birnbaum
Angelesen

Angelika Epple hat eine überaus interessante Geschichte eines deutschen Familienunternehmens geschrieben, das sich nicht weniger zum Ziel gesetzt hatte, als die Welt zu erobern. "Stollwerck Gold beherrscht die Welt", lautete denn auch der Werbeslogan 1911 des Kölner Schokoladenherstellers. Stollwerck war im 19. Jahrhundert das, was vielleicht McDonalds heute ist. Ganz sicher galt dies für die Idee, überall auf der Welt Automatenrestaurants zu eröffnen mit "stummen Verkäufern" und "laufenden Bildern". Stollwerck steht deshalb auch für den Versuch, Produkte und Geschäftspraktiken bereits im 19. Jahrhundert weltweit zu standardisieren. Die Historikerin beschreibt, wie die Firma auf dem US-Markt reüssierte, in Großbritannien aber keinen Erfolg hatte - ein Zeichen dafür, wie unterschiedlich Konsumgewohnheiten schon damals waren.

Epple schildert dies alles auf kurzweilige und doch wissenschaftlich-seriöse Art. Herausgekommen ist ein Stück Wirtschaftsgeschichte im Kleinen, die zeigt: Globalisierung ist kein Zustand, sondern ein Bewegungsgesetz, das in jeder Epoche zu beobachten ist.

Angelika Epple:

Das Unternehmen Stollwerck.

Eine Mikro-geschichte der Globalisierung.

Campus-Verlag, Frankfurt/M. 2010; 451 S., 39,90 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag