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Interview mit Heinz Lanfermann (FDP) zur Pflegereform
FÜnf FRAGEN ZUR: Pflegereform

Die Koalition will in diesem Jahr die Pflegeversicherung reformieren. Welche Weichen müssen gestellt werden, damit die Menschen auch in 20 Jahren eine würdige Pflege erhalten?

Die Bundesregierung hat sich eine ergebnisorientierte, an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtete Pflege zum Ziel gesetzt. Neben einer zukunftssicheren Finanzierung der Pflegeversicherung brauchen wir mehr Pflege- und Betreuungskräfte für die steigende Zahl der Pflegebedürftigen. Wir wollen die häusliche Versorgung stärken, ohne die stationäre Versorgung zu vernachlässigen. Mehr Flexibilität bei Angebot und Auswahl der Pflegeleistungen wird auch für die wachsende Zahl von Demenzkranken mehr Leistungsgerechtigkeit bedeuten.

Im Koalitionsvertrag ist vorgesehen, die soziale Pflegeversicherung durch eine kapitalgedeckte Säule zu ergänzen. Wie teuer wird es für die Versicherten?

Die Höhe der kapitalgedeckten Säule wird davon abhängen, für welche Leistungen das Geld verwendet werden soll. Wir sind derzeit mit der Pflegebranche im Dialog, diese Leistungen zu definieren. Erst danach wird man eine solide Aussage über den Finanzierungsbedarf treffen können.

In der CSU gibt es Bedenken gegen eine private Zusatzversicherung in der Pflege. Was halten Sie dem entgegen?

Nicht nur der demografische Wandel, sondern auch ein besseres Verständnis von Pflegebedürftigkeit ist mit steigenden Kosten für die Pflegeversicherung verbunden. Wir müssen diese Kosten möglichst gleichmäßig auf die gesamte Lebenszeit der Beitragszahler verteilen, um Beitragsexplosionen zu vermeiden. Es gibt keine Alternative zur Kapitaldeckung, die auch den heute jüngeren Generationen noch eine würdevolle Pflege für einen bezahlbaren Preis garantiert.

Wie soll der akute Fachkräftemangel in der Pflege behoben werden?

Die Bundesregierung wird den Pflegeberuf attraktiver gestalten und die Alten- und Krankenpflege zu einer modernen Ausbildung zusammenfassen. Zudem muss dass inländische Arbeitskräftepotential ausgeschöpft werden. Dazu zählt die Förderung von Umschulung- und Weiterbildungsmaßnahmen, zu der auch die Arbeitgeber beitragen müssen. Im Ausland erworbene Qualifikationen, auch von bereits in Deutschland lebenden Personen, müssen besser und schneller anerkannt werden. Wichtig ist es auch, durch gute Arbeitsbedingungen die Verweildauer der Pflegenden im Beruf zu erhöhen.

Wie sieht der Zeitplan für die Pflegereform aus?

Wir werden die Reform zügig, aber mit der nötigen Sorgfalt auf den Weg bringen. Angesichts der demografischen Entwicklung verteuert jeder verstrichene Tag den notwendigen Aufbau einer Pflegereserve für das Alter.

Die Fragen stellte

Monika Pilath.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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